Tapfer erträgt der 5-jährige Ole Oßenbrink den kleinen Pieks in den Arm, mit dem Dr. Wolfgang Tebbe ihn gegen seine Pollenallergie behandelt. Oles Mutter Ellen Oßenbrink steht ihm bei.
Experten des Clemenshospitals und betroffene Eltern berichten über Allergien bei Kindern.

Allergien bei Kindern auf dem Vormarsch

[29.02.2012]

„Bei den ersten 1000 Möhren ging alles gut, die 1001. Möhre hat dann eine derart heftige allergische Reaktion ausgelöst, dass unser Ole mit dem Notarzt ins Krankenhaus musste“ schildert Markus Oßenbrink eine von vielen Episoden im erst fünfjährigen Leben seines Sohnes. Ole hat eine ausgeprägte Nahrungsmittelallergie, in seiner Tasche befindet sich ein Zettel, auf dem die Speisen stehen, die das Kind auf keinen Fall zu sich nehmen darf. Auf der anderen Seite stehen die wichtigsten Notrufnummern. „Das Leben wird total eingeschränkt“ bestätigt Oles Mutter Ellen Oßenbrink, „Die Mütter von Oles Freunden sind alle geschult und wissen genau, was unser Sohn essen darf und was nicht.“ Trotzdem bleibt immer eine große Unruhe bei den Eltern zurück, wenn Ole ohne ihre Begleitung auf einem Kindergeburtstag fröhlich feiert. Die Kamelle vom Straßenkarneval müssen erst penibel überprüft werden, bevor sie in den Mund gesteckt werden. Der tägliche Einkauf wird zur detektivischen Aufgabe, Eltern allergischer Kinder sind Experten für das Kleingedruckte. „Urlaub können wir nur dort machen, wo wir selber kochen können und wissen, was im Essen ist. Restaurantbesuche sind fast ausgeschlossen“ erklärt Ellen Oßenbrink.

Allergien bei Kindern nehmen in ihrer Häufigkeit zu und sie werden heftiger in ihren Auswirkungen“ erläutert der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Dr. Georg Hülskamp. Große Unsicherheiten bestehen nach Meinung des Experten in Kindergärten und Schulen, Erzieherinnen und Lehrer befürchten häufig, den Kindern im Falle einer allergischen Reaktion durch ihr Eingreifen mehr zu schaden als zu nutzen. „Wir schulen die Mitarbeiter in Kitas und Schulen auf Anfrage gerne im Umgang mit allergischen Kindern“, sagt Hülskamp und fährt fort: „Wir wollen Ängste nehmen und aufklären!“ Sein Kollege, Oberarzt Dr. Wolfgang Tebbe, bestätigt, dass zum Beispiel der Umgang mit einem Injektionsgerät zum Spritzen eines Gegenmittels einfach zu erlernen ist und es keinen bekannten Fall gibt, bei dem ein versehentliches Spritzen des Medikamentes einen Schaden verursacht hätte.

Die Zeit arbeitet für Ole Oßenbrink, bis zum 18. Lebensjahr sind 80 Prozent der kindlichen Lebensmittelallergien wieder abgeklungen, beruhigen Hülskamp und Tebbe die Eltern. Im Clemenshospital findet regelmäßig eine Sprechstunde für Kinder mit Allergien statt. Informationen gibt es unter (0251) 976-2601