Bei der Zertifikatsübergabe am 7. September (v. l.): Chefarzt Prof. Dr. Gunnar Möllenhoff (Raphaelsklinik), Ministerin Barbara Steffens, Prof. Dr. Johannes Sturm (DGU), Prof. Dr. Michael J. Raschke (UKM) und Prof. Dr. Horst Rieger (Clemenshospital).

Auszeichnung für das Traumanetzwerk NordWest

[08.09.2011]

Buchstäblich auf Herz und Nieren wurde das länderübergreifende Traumanetzwerk NordWest von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) in einem aufwendigen Verfahren durch unabhängige Gutachter überprüft. Am Ende dieses Prozesses stand nun die erfolgreiche Zertifizierung, die in einer Feierstunde im festlichen Rahmen des Erbdrostenhofes in Münster durch die Übergabe der Zertifikate besiegelt wurde.
Im Traumanetzwerk NordWest sind 25 Kliniken aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und den Niederlanden zusammengeschlossen, um die Versorgung von Unfallopfern zu optimieren. Alleine im Jahr 2010 wurden innerhalb des Netzwerks  auf diese Weise etwa 1.000 Menschen mit zum Teil schwersten, lebensbedrohenden Verletzungen behandelt. Um die Bedeutung des Traumanetzwerkes zu unterstreichen, erschien die NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens persönlich zur Zertifikatsübergabe. Steffens betonte in ihrer Rede:„Die effiziente und schnelle medizinische Versorgung schwer verletzter Patientinnen und Patienten ist eines der vorrangigsten Ziele der modernen Medizin. Gerade in diesem Bereich ist die enge Kooperation von Kliniken, Rettungsdiensten und Leitstellen enorm wichtig. NRW als großes Flächenland hat ein sehr leistungsfähiges Rettungssystem. Die Gründung und die Qualitätskontrolle von Traumanetzwerken baut die hohe Versorgungsqualität in NRW und den benachbarten Regionen weiter aus. Jede Minute, die beim Transport von der Unfallstelle in eine Klinik durch eine noch bessere Zusammenarbeit eingespart wird, hilft allen Beteiligten, das Leben der Patientinnen und Patienten retten zu können.“
Aktive Partner im Netzwerk sind auch die Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Handchirurgie und Sportmedizin des Clemenshospitals und die Klinik für Unfall- und Orthopädische Chirurgie der Raphaelsklinik. Deren Chefärzte Prof. Dr. Gunnar Möllenhoff (Raphaelsklinik) und Prof. Dr. Horst Rieger (Clemenshospital) nahmen am 7. September die Urkunden entgegen, die die hohe Qualität ihrer Arbeit in der Versorgung Schwerverletzter bestätigen. Rieger betont die große Bedeutung einer möglichst schnellen Versorgung von Unfallopfern: „In der Unfallmedizin spricht man von der ‚golden hour of shock’. Dies bedeutet, dass innerhalb der ersten Stunde nach einem schweren Unfall alles Wesentliche in der medizinischen Versorgung geschehen sein muss.“ Er unterstreicht, dass dieses Ziel durch ein gut funktionierendes Traumanetzwerk schneller erreicht werden kann. Sein Kollege Möllenhoff von der Raphaelsklinik bringt das Wesen des Traumanetzwerks auf den Punkt: „Gemeinsam sind wir stark!“
Die Ansprüche der Partner im Netzwerk sind hoch, bereits innerhalb von 30 Minuten nach einem Unfall sollen die Patienten in einer aufnahmebereiten Klinik versorgt werden. Ein Ziel, das gerade in ländlichen Regionen nicht immer einfach umzusetzen ist.
Koordiniert wird die Arbeit des Traumanetzwerks im Universitätsklinikum Münster (UKM). Um gerade bei einem Massenanfall von Verletzten die perfekte Verteilung auf die Krankenhäuser in Abhängigkeit vom Grad der Verletzung zu gewährleisten, wurden die Netzwerkkliniken in die Kategorien „Lokales Traumazentrum“, „Regionales Traumazentrum“ und „Überregionales Traumazentrum“ eingeteilt.
Zum Netzwerk gehört eine elektronische Datenbank zum schnellen Austausch von Informationen, Befunden und Daten aus der bildgebenden Diagnostik. Ausgeklügelte Sicherheitssysteme gewährleisten dabei den Schutz der sensiblen Patientendaten. Nach Abschluss der erfolgreichen Testphase wird das System nach und nach auf alle Netzwerkkliniken ausgeweitet.
Erstmals werden in 2011 auch Reha-Einrichtungen in das Traumanetzwerk integriert, um die ganzheitliche Versorgung der Unfallopfer auch nach dem Krankenhausaufenthalt zu gewährleisten.