Während des Welthirntumortages am 8. Juni berichteten Dr. Bernd Hoffmann (l.) und Dr. Birgit Kemper vom Clemenshospital über das Leben mit einem Hirntumor.
Dr. Birgit Kemper ist Psychoonkologin
Dr. Bernd Hoffmann, Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie

Bessere Heilungschancen bei Hirntumoren

[08.06.2012]

Anfang Juni ging durch die Medien, dass die amerikanische Musikerin Sheryl Crow an einem Hirntumor erkrankt sei. Zunehmend habe sie ihre Songtexte vergessen, wenn sie auf der Bühne stand, berichtet sie im Internet. Oft sind es solche mitunter schleichend auftauchenden Störungen, die eventuell von einem Tumor verursacht werden. „Ich kenne Fälle, in denen Betroffene lange Zeit wegen Depressionen behandelt wurden bis sich herausstellte, dass ein Hirntumor dahintersteckte“ berichtet Dr. Birgit Kemper, Neuropsychologin an der Neurochirurgischen Klinik des Clemenshospitals.

In Deutschland erkranken jährlich knapp 7.000 Menschen an einem Tumor im Gehirn oder im Rückenmark, mit gerade mal zwei Prozent ist der Anteil an den Krebserkrankungen damit relativ klein. Umso wichtiger ist es, von einem Zentrum mit erfahrenen Experten behandelt zu werden. „Ende der 1990er Jahre hat eine Studie das bestürzende Ergebnis geliefert, dass die Heilungschancen nach einem Hirntumor in Deutschland wesentlich geringer waren als in vielen anderen Ländern“ berichtet der Oberarzt Dr. Bernd Hoffmann. Ein „Nationaler Krebsplan“ wurde ausgerufen, Krebszentren und neuroonkologische Netzwerke gegründet. Heute gibt es Behandlungsrichtlinien, Tumorkonferenzen und engmaschige Nachuntersuchungen. „Früher hat jeder gemacht, was er für richtig hielt. Zwar nach bestem Wissen aber ohne spezielle Leitlinien. In den Krebszentren wie bei uns am Clemenshospital treffen sich jetzt regelmäßig Experten unterschiedlicher Fachgebiete und besprechen jeden Fall“, erläutert Hoffmann und fügt hinzu „Es reicht nicht, dass die Fachleute da sind, sie müssen auch miteinander reden!“ Die Heilungschancen seien dadurch deutlich gestiegen, berichten die Experten.

Viele Menschen haben die Sorge, dass nach einer Operation am Gehirn Schäden zurückbleiben, eine unbegründete Befürchtung, wie Hoffmann und Kemper beruhigen, „Hirntumoren sind gut zu behandelnde Krankheiten“ sagt der Oberarzt. Der psychologische Aspekt wurde vor zwanzig Jahren noch völlig ignoriert, erinnert sich Dr. Birgit Kemper, „dabei bricht vielen Betroffenen förmlich der Boden unter den Füßen weg, wenn sie die Diagnose hören.“ Heute ist die Anerkennung eines Krebszentrums durch die Deutsche Krebsgesellschaft ohne fundierte psychologische Betreuung ausgeschlossen. „Ziel der psychoonkologischen Arbeit ist, Ängste zu reduzieren, Hoffnung zu geben, Sinn und inneren Frieden zu finden“ erläutert Kemper.