Dr. Birgit Kemper, Gabriele Staarmann und Prof. Uta Schick (v. l.) vor einem der großformatigen Werke, die speziell für Patienten der Neurochirurgie angefertigt wurden.
Eines der großformatigen Werke von Gabriele Staarmann.
Eines der großformatigen Werke von Gabriele Staarmann.
Eines der großformatigen Werke von Gabriele Staarmann.
Eines der großformatigen Werke von Gabriele Staarmann.
Eines der großformatigen Werke von Gabriele Staarmann.

Bilder zum Wandern mit den Augen

[20.02.2014]

Kunst ist Geschmackssache, dem einen gibt sie mehr, dem anderen weniger. Wenn sich die Werke an Patienten mit einer schweren Hirnschädigung wenden, die zudem einen komplizierten neurochirurgischen Eingriff hinter sich haben, geht es nicht mehr nur um Geschmack, sondern um handfestes Wissen um die Vorgänge in unserem Denkorgan. „Das Gehirn ist ein aufregendes Organ, das viel mit uns macht“ erläutert die Neuropsychologin Dr. Birgit Kemper. Gemeinsam mit Kemper und der Chefärztin der Klinik für Neurochirurgie des Clemenshospitals, Prof. Dr. Uta Schick, entwickelte die Hamburger Künstlerin Gabriele Staarmann Bilder für die Flure und Patientenzimmer, die speziell auf die Bedürfnisse der Betroffenen abgestimmt sind.

„Manche Operationen oder Medikamente erhöhen die Gefahr von Halluzinationen. Die Bilder dürfen das natürlich nicht unterstützen “, erklärt die erfahrene Neurochirurgin. Die Arbeiten sind farbenfroh, aber nicht aggressiv, die abstrakten Formen zeigen klare Konturen, nichts ist verschwommen. Um der mitunter bedrückenden Kliniksituation etwas entgegenzustellen, strahlen sie Freude, Gelassenheit und Leichtigkeit aus. Oft stehen Patienten vor den Bildern, versinken mit den Gedanken in den Formen oder es entwickeln sich spontane Gespräche. „Ein Patient hat sogar wieder angefangen zu malen, nachdem er die Bilder betrachtet hat“, berichtet Kemper beeindruckt. Schick führt häufig Operationen an Tumoren durch, die am Sehnerv liegen, auch auf diese Patienten wurden die Bilder abgestimmt.

Gabriele Staarmann hat schon häufiger für Krankenhäuser und Altenheime gearbeitet, oft in Zusammenarbeit mit den Architekten. „Aufheiterung tut hier Not und ist für die Genesung wichtig“, davon ist sie überzeugt. Insgesamt hat sie 30 Werke für die Klinik für Neurochirurgie des Clemenshospitals erstellt. Staarmann ist in Münster keine Unbekannte, von ihr stammt „Die alte Schießmauer“, fünfzehn auffällige rosafarbene Betonskulpturen im Gewerbegebiet Loddenheide. „Die Bilder sollen keine Hirngymnastik darstellen, sondern ablenken. Der Betrachter muss auch nicht alles auf einmal erfassen, er kann mit den Augen durch das Bild wandern“, erläutert die Künstlerin.