Horst Sokolowski (m.) freut sich über die gelungene Operation, die der Oberarzt Khairi Mohamed Daabak (l.) und die Chefärztin Prof. Dr. Uta Schick vom Clemenshospital an seiner Wirbelsäule durchgeführt haben.

Den Willen zum Durchhalten nie verloren

[05.06.2013]

Am Tisch zu sitzen und dabei dem Gegenüber in die Augen schauen zu können, was für die meisten Menschen eine Selbstverständlichkeit ist, war für Horst Sokolowski seit seinem Sturz im November unmöglich. Der 59-Jährige leidet an Morbus Bechterew, einer schmerzhaften entzündlichen Versteifung der kleinen Wirbelgelenke. Es wird geschätzt, dass in Deutschland rund 1,6 Mio. Betroffene leben, die Erkrankung jedoch nur bei etwa 100.000 bis 150.000 Menschen tatsächlich in Erscheinung tritt.

Mit 20 traten die ersten Beschwerden auf, er kam morgens immer schwerer aus dem Bett und hatte ständig Rückenschmerzen. Über die Jahre nahmen die Beschwerden zu, seit rund 15 Jahren ist auch die Halswirbelsäule betroffen, der Blick über die Schulter wurde unmöglich. Dann kam Ende letzten Jahres der Sturz von der Terrasse in den Garten „mir wurde schwindelig und ich stürzte kopfüber den Hang hinunter“ beschreibt Sokolowski den folgenschweren Unfall. Mehrere Halswirbel brachen und schoben sich ineinander, das Kinn sank auf die Brust, ein Anheben des Kopfes wurde unmöglich. „Ich habe mich anfangs nur von Speiseeis ernährt, das rutschte gut und kühlte den betroffenen Bereich“ erinnert sich Sokolowski. Außerdem drückten die gebrochenen Wirbelkörper auf das Rückenmark und verursachten Ausfallserscheinungen in Händen und Füßen. Sein Hausarzt riet ihm zum Gang ins Clemenshospital, in dem die Klinik für Neurochirurgie mit der Operation schwerer Schädigungen der Wirbelsäule vertraut ist. Deren Chefärztin Prof. Dr. Uta Schick war beeindruckt von der Schwere der Verletzung „einen solchen Fall habe ich in 20 Jahren noch nicht gesehen!“

Der gut geplante Eingriff wurde an zwei Tagen durchgeführt. Von 8 bis 20 Uhr stand das OP-Team beim ersten Termin am Operationstisch, das Rückenmark wurde entlastet und der Hals vom dritten Halswirbel bis zum dritten Brustwirbel mit Spezialschrauben und Metallstangen in die richtige Position gebracht. Eine Sisyphosarbeit. Eine Woche später folgte der zweite Eingriff, bei dem das Brustbein gespalten wurde und ein Titankörbchen als Ersatz für die gebrochenen Wirbelkörper eingesetzt wurde. „Eine wichtige Hilfe bei dem Eingriff war ein Navigationssystem, das es in dieser Form in Münster nur bei uns gibt und die Platzierung der sogenannten Pedikelschrauben sicher macht“, erläutert Prof. Schick. Für diese Technik, die im letzten Jahr 35-mal an der Halswirbelsäule im Clemenshospital eingesetzt wurde, ist die Klinik am Düesbergweg eine der Referenzkliniken der Herstellerfirma Brainlab.

„Als ich nach der OP wach wurde, habe ich sofort meine Hände und Füße wieder gespürt, ich war glücklich!“ freut sich Horst Sokolowski über den erfolgreichen Eingriff, auch das Essen ist kein Problem mehr. Der erste Ausflug in den Park des Clemenshospitals war wie ein Triumph. Wenn der Patient heute seinen 59. Geburtstag feiert, sind die Sachen schon gepackt, am Montag geht’s in die Reha nach Bad Sassendorf. Ein selbstständiges Leben führen zu können, das ist das vorrangige Ziel für Horst Sokolowski. Die wichtigsten Verbündeten sind dabei sein Humor und der feste Wille zum Durchhalten „Beides habe ich in all den Jahren nie verloren“ erklärt er.