Annette Rexrodt von Fircks (r.) berichtete während des Brustkrebstags im Clemenshospital von ihrem Leben nach der Erkrankung, Chefarzt Dr. Rüdiger Langenberg (l.) berichtete über das Thema Fatigue.
Annette Rexrodt von Fircks während des Brustkrebstags im Clemenshospital.
Gebannt verfolgten die Zuhörerinnen den Erzählungen der Autorin.

Die stärkste Waffe ist die Hoffnung

[28.10.2015]

Es ist still im Mehrzweckraum des Clemenshospitals, als Annette Rexrodt von Fircks von ihrer schweren Brustkrebserkrankung erzählt: „Die Ärzte gaben mir für das folgende halbe Jahr gerade mal 15 Prozent Überlebenschance“, das ist inzwischen 17 Jahre her. Sie kämpfte und gab nie auf, die stärkste Waffe sei ihre Hoffnung gewesen, erklärt sie den rund 70 Zuhörerinnen, viele von ihnen sind oder waren ebenfalls an Brustkrebs erkrankt. Heute ist die 54-Jährige erfolgreiche Buchautorin und Referentin, 2005 gründete sie eine nach ihr benannte Stiftung, die sich um krebskranke Mütter und ihre Kinder kümmert.

Alle sieben Minuten bekommt in Deutschland eine Frau diese Diagnose gestellt, „Ich fühlte mich danach wie aus dem Leben herausgerissen, außerdem wurde der Tumor spät entdeckt und war schon sehr weit fortgeschritten“, erinnert sie sich. Ihre Familie und enge Freunde gaben ihr den nötigen Rückhalt, um die anstrengende Therapie durchzustehen, manchmal gab es aber auch Situationen, in denen sie es war, die etwas von ihrer Kraft an die drei kleinen Kinder und den Ehemann weitergeben musste. „Ich habe mir gesagt, dass die Chemotherapie kein Gift ist, das in meinen Körper fließt sondern das Medikament wie einen Freund betrachtet, der mir im Kampf gegen die Krankheit zur Seite steht“. Die Zügel selber in die Hand nehmen, aktiv sein, mit den Ängsten leben, das sind die Ratschläge, die sie ihren Zuhörerrinnen in ihrem Vortrag mit auf den Weg gibt.

Ein häufiges Problem während und nach einer Krebsbehandlung ist ein allgemeiner Erschöpfungszustand, Fatigue genannt. „Während der Behandlung und auch danach sollten wir Ärzte immer wieder nachfragen, ob es Anhaltspunkte für eine Fatigue gibt“, erklärt der Chefarzt der Frauenklinik des Clemenshospitals und Leiter des Brustzentrums Münsterland, Dr. Rüdiger Langenberg. Denn dieser Nebeneffekt kann, so Langenberg in seinem Vortrag, manchmal erst nach einem halben oder ganzen Jahr auftreten. Medikamente, Schmerzen, Blutarmut, psychische Gründe, Schlaf- oder Essstörungen sowie begleitende Erkrankungen kommen als mögliche Ursachen in Frage. Man könne dieser Erkrankung medikamentös begegnen, so der Chefarzt, doch in vielen Fällen hilft schon moderate sportliche Aktivität in Absprache mit dem behandelnden Arzt.