Dr. Tebbe, die leitende Endoskopieschwester Rita Stegemann und Dr. Hülskamp (v. l.) mit dem kleinen Laurin.
Mit diesem starren Endoskop wurde die Erdnuss entfernt.
Dr. Tebbe, die leitende Endoskopieschwester Rita Stegemann und Dr. Hülskamp (v. l.) mit dem kleinen Laurin.

Erdnüsse auf Abwegen

[20.12.2012]

Sie gehören zum Weihnachtsfest wie Apfelsinen und Marzipan: Nüsse. Doch gerade Erdnüsse bergen eine Gefahr, die einem das Weihnachtsfest mächtig verhageln kann. Die kleinen glatten Leckereien rutschen nämlich problemlos durch die Luftröhre kleiner Kinder, um dann in der Verzweigung zu den Lungenflügeln oder noch tiefer stecken zu bleiben. Dort können sie schwere Schäden verursachen, Atemnot, Lungenentzündungen und Schlimmeres.

Der zweijährige Laurin hatte Glück, seine Eltern reagierten schnell und richtig. Auf dem Boden fand der pfiffige Junge eine Erdnuss, steckte sie sich in den Mund und atmete sie versehentlich ein. Ein halbstündiger Hustenanfall folgte doch die Nuss kam nicht wieder ans Tageslicht. Als im Verlauf des Tages Laurin zunehmend kurzatmiger wurde und schnell erschöpft war, ging seine Mutter mit ihm in die Kinderambulanz des Clemenshospitals. Dort stellte Dr. Wolfgang Tebbe schnell die richtige Diagnose und entfernte mit einem Endoskop den Fremdkörper. Dieses Gerät ist im Prinzip ein dünnes Metallrohr, durch das ein Instrument mit einer Zange geschoben werden kann. Eine Optik hat das starre Endoskop nicht, der Eingriff läuft blind ab, „Das hat sehr viel mit Erfahrung und Fingerspitzengefühl zu tun“ erklärt der Kinderarzt.

Die Mediziner beobachten gerade in der Adventszeit einen deutlichen Anstieg der Fälle von kleinen Kindern, die mit eingeatmeten Nüssen in die Kinderambulanz des Clemenshospitals kommen. Auch Möhren- und Apfelstückchen geraten oft auf Abwege in den „falschen Hals“. Kinder sollten möglichst sitzend und in Ruhe Essen und nicht währenddessen etwas anderes machen wie spielen oder laufen. Bedauert wird von Tebbe und Hülskamp, dass entsprechende Warnhinweise auf den Verpackungen von Erdnüssen, wie sie in anderen Ländern bereits vorgeschrieben sind, in Deutschland noch nicht Pflicht sind. Bis dies der Fall ist, werden die beiden Kinderärzte wohl weiterhin die eine oder andere Adventsnuss wieder ans Tageslicht befördern müssen.