Dr. Antonius Beermann, Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, Oberarzt Tim Wessels und Chefarzt Prof. Dr. Udo Sulkowski von der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie (v. l.) freuen sich mit Marion Marquardt über den Erfolg der Therapie.

HIPEC: Neue Krebs-Therapie zeigt gute Erfolge

[13.12.2011]

Marion Marquardt ist eine Kämpfernatur, das sagt sie von sich selber und das bestätigen auch ihre Ärzte am Clemenshospital. „Ich habe eine neue Chance für mein Leben gesehen. Wenn Sie so schwer erkrankt sind, greifen Sie nach jedem Strohhalm“. Die Mittfünfzigerin hatte vor zwei Jahren Darmkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Metastasen besiedelten bereits den Bauchraum, es sah schlecht aus. Dann schlugen ihr die Mediziner ein neues Verfahren vor, das HIPEC. Heute ist Marion Marquardt krebsfrei.
Seit zwei Jahren ist das HIPEC-Verfahren am Clemenshospital im Einsatz und der Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, Prof. Dr. Udo Sulkowski, zieht eine positive Bilanz: „Alle 25 Patienten haben den Eingriff gut überstanden und konnten das Krankenhaus auf eigenen Beinen verlassen. Zwischenzeitlich sind sechs Patienten an ihrem fortgeschrittenen Tumorleiden verstorben. Bei rund der Hälfte der anderen Patienten ist zurzeit kein Tumor nachweisbar.“
Bei dem Verfahren, dessen Abkürzung für den etwas sperrigen Begriff hypertherme intraperitoneale Chemoperfusion steht, handelt es sich um eine Therapie, bei der eine auf etwa 42 Grad erwärmte Flüssigkeit während der Operation in den Bauchraum eingebracht wird nachdem vorher alle sichtbaren Tumoranteile entfernt oder weitestgehend reduziert wurden. Die Flüssigkeit enthält abhängig von der jeweiligen Krebsart spezielle Medikamente, die Metastasen abtöten. Angewendet wird das sehr aufwendige Verfahren bei Patienten, deren Krebserkrankung, meist Darmkrebs im fortgeschrittenen Stadium, Metastasen in den Bauchraum gestreut hat, aber keine weitergehenden Fernmetastasen aufweist. „Die Auswahl der Patienten muss sehr genau und auf der Grundlage präziser Untersuchungsergebnisse wie Computertomografie oder Magnetresonanztomografie erfolgen. Auf jeden operierten Patienten kommt einer, der leider nicht geeignet ist“, betont Prof. Sulkowski. Zurzeit ist das Clemenshospital noch das einzige Krankenhaus im Münsterland, das HIPEC anbietet. „Wir gehen davon aus, dass sich zum Wohle der Patienten bald weitere Kliniken anschließen werden!“, erläutert Oberarzt Tim Wessels, der zusammen mit Sulkowski die dortige HIPEC-Sprechstunde betreibt.
Zu Beginn des nächsten Jahres wird das Team am Clemenshospital mit Förderung der Deutschen Krebshilfe und rund zehn anderen Kliniken in Deutschland eine Studie beginnen, die klären soll, ob HIPEC auch beim fortgeschrittenen Magenkrebs die Therapieergebnisse verbessern kann. Zusätzlich werden alle Patienten im Deutschen HIPEC-Register erfasst, um die Bedeutung der Methode weiter zu untermauern. „Die Therapie ist sehr anstrengend, aber ich würde es wieder machen“, sagt Marion Marquardt und fügt hinzu: „Jedes Jahr, das ich länger lebe, bringt mich näher an die Möglichkeiten neuer Behandlungsmethoden.“ Sie ist eben eine Kämpfernatur.