Manfred Witkowski, Dr. Christoph Hoppenheit, Burkhard Nolte, Stefan Kentrup und Berthold Mathias (v. l.)
Die Geschäftsführer von Münsters konfessionellen Kliniken und der kaufmännische Direktor der Uniklinik informieren über die Situation in ihren Häusern.
Manfred Witkowski, Dr. Christoph Hoppenheit, Burkhard Nolte, Stefan Kentrup und Berthold Mathias (v. l.)
Die Geschäftsführer von Münsters konfessionellen Kliniken und der kaufmännische Direktor der Uniklinik informieren über die Situation in ihren Häusern.

„Jobkiller Gesundheitspolitik“ – Münsters Akut-Krankenhäuser informieren

[27.04.2012]

Die Kliniken in Nordrhein-Westfalen versorgen mit hoher Qualität rund um die Uhr jährlich über 4 Mio. Patientinnen und Patienten. Die Krankenhäuser sind die tragende Säule der medizinischen Versorgung in NRW und haben eine hohe gesellschaftliche Verantwortung für die Behandlung und Pflege ihrer Patientinnen und Patienten. Trotz allem wird weiterhin bei den Kliniken gekürzt.
In der Tarifrunde 2012 für den öffentlichen Dienst und damit auch für die kommunalen Krankenhäuser - diese Tarifabschlüsse werden in der Regel auch für konfessionelle Krankenhäuser übernommen - haben sich die Arbeitgeber und ver.di auf Einkommensverbesserungen in Höhe von 6,3 Prozent für zwei Jahre geeinigt – mit rückwirkenden Vergütungssteigerungen um 3,5 Prozent ab 01.03.2012 sowie weiteren Anhebungen zum Januar und August 2013 um jeweils 1,4 Prozent. Darüber hinaus sieht der kürzlich vereinbarte Tarifabschluss für Ärzte an kommunalen Krankenhäusern Gehaltssteigerungen von deutlich über 3 Prozent (2,9 Prozent zuzüglich Einmalzahlung von 440,00 Euro) vor. Das heißt, die konkrete Tariflast 2012 (+3,5%) für alle Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen beträgt rund 400 Mio. Euro Davon beträgt der refinanzierte Anteil nur 105 Mio. Euro. Die Finanzierungslücke 2012 allein im Personalkostenbereich beträgt 295 Mio. Euro. Ohne Verbesserung der finanziellen Situation der Krankenhäuser droht laut Krankenhaus Gesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW) der Abbau von 6.000 Arbeitsplätzen.
 
Die Geschäftsführer der Akut-Krankenhäuser in Münster sehen angesichts dieser Zahlen dringenden Handlungsbedarf
 
Geschäftsführer der Raphaelsklinik sowie des Clemenshospitals, Stefan Kentrup:
„Mit zirka 92.000 Beschäftigten ist die Gesundheitswirtschaft der zweitgrößte Wirtschaftszweig im Münsterland, davon arbeiten etwa 30.000 Menschen in Münster. Diese Menschen sichern 24 Stunden am Tag die medizinische Versorgung im Münsterland. Die Gesundheitspolitik darf diese Arbeit nicht gefährden.“
 
Geschäftsführer des EVK Münster, Manfred Witkowski:
„Die jährliche Gesamtsumme für dringend notwendige Investitionen würde nach einem Gutachten von Professor Bert Rürup (Gutachten aus 2008; Zahlen aus 2007) bezogen auf NRW bei rund 1,2 Mrd. Euro liegen. Die strukturelle Unterfinanzierung beträgt rund 700 Mio. Euro pro Jahr. Aufgrund dieser gravierenden Unterfinanzierung ist eine Erhöhung der Krankenhausinvestitionen durch das Land dringend erforderlich.“
 
Geschäftsführer des Herz-Jesu-Krankenhaus Hiltrup, Berthold Mathias:
„Ohne ausreichende Finanzierung kann es dazu kommen, dass wir einerseits freie Stellen für Ärzte und Pflegekräfte haben und gleichzeitig aus Finanzierungsnöten weitere Mitarbeiter nicht weiter beschäftigen zu können. Wir sind hier auf schnelle Beschlüsse der Bundesregierung angewiesen.“
 
Geschäftsführer des St. Franziskus-Hospitals, Burkhard Nolte:
„Die 404 nordrhein-westfälischen Krankenhäuser sind als Kernbereich der Gesundheitswirtschaft in NRW mit einem Jahresumsatz von ca. 14 Milliarden Euro und rund 230.000 Beschäftigten und etwa 18.000 Auszubildenden weiterhin auch im internationalen Vergleich effizient und kostengünstig wie in kaum einem anderen Land. Auch bei den Einrichtungen in Münster ist der Punkt erreicht, an dem nicht weiter gekürzt werden kann, ohne dass die Qualität unserer Arbeit leiden würde.“  
 
Kaufmännischer Direktor des Universitätsklinikums Münster (UKM), Dr. Christoph Hoppenheit:
 
Die Universitätskliniken müssen als Standort für universitätsmedizinische Krankenversorgung, Forschung und Lehre gesichert werden. Dies gelingt nur, wenn Ausbildung und Weiterbildung der Mediziner und des Pflegepersonals finanziert werden. Die Kosten-Erlös-Schere geht durch die Unterfinanzierung des Personals immer weiter auseinander. Durch das hohe persönliche Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewährleisten wir den hohen Standard an medizinischer Versorgung und ausgezeichneter Pflege am Universitätsklinikum Münster (UKM). Die Qualität unserer wissenschaftlichen Arbeit sichert unseren Patienten den Zugang zu moderner Diagnostik und Therapie. Das soll auch in Zukunft so bleiben. Daher muss die Arbeit in der Krankenversorgung adäquat finanziert werden.
 
(Quellen: Krankenhaus Gesellschaft Nordrhein-Westfalen, Gesundheitswirtschaft Münsterland, Wirtschaftsförderung Münster)

 
 
Öffentliche Podiumsdiskussion mit Geschäftsführern der münsterschen Akut-Krankenhäuser und VertreterInnen der Parteien
 
Termin: Mi., 2.5.2012, 17.30 Uhr,
Ort: Bezirksregierung, Domplatz 1-3, Münster
 
Angesichts der aktuellen Gesundheitspolitik treten die Akut-Krankenhäuser in Münster gemeinsam in Aktion. Die Geschäftsführer der Krankenhäuser klären über die Folgen auf und stellen sich gemeinsam mit VertreterInnen der Parteien bei einer Podiumsdiskussion den kritischen Fragen der Öffentlichkeit.
 
Gesprächspartner der Krankenhäuser
Raphaelsklinik / Clemenshospital: Geschäftsführer Stefan Kentrup
EVK Münster: Geschäftsführer Manfred Witkowski
Herz-Jesu-Krankenhaus Hiltrup GmbH: Geschäftsführer Berthold Mathias
St. Franziskus-Hospital: Geschäftsführer Burkhard Nolte
Universitätsklinikum Münster (UKM): Kaufmännischer Direktor Dr. Christoph Hoppenheit
 
Gesprächspartner der Politik
CDU: Josef Rickfelder, Landtagsabgeordneter
SPD: Dr. Michael Jung, Vorsitzender der SPD in Münster
Bündnis 90 / Die Grünen: Maria Klein-Schmeink, Bundestagsabgeordnete

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