Schwester Elisabeth Bauland gibt Phillip Molkenthin mit ruhiger Stimme Anweisungen.
Dr. Peter Küster und Andrea Silies (o. v. l.) beobachten das neue Messgerät und den jungen Patienten.

Leben mit Mukoviszidose

[23.03.2012]

Der 14-jährige Phillip Molkenthin ist ein pfiffiger Junge, er liebt Fußball und Tischtennis und er weiß Dinge, die andere vermutlich nicht wissen. Zum Beispiel, dass er zwischen 1,6 und zwei Liter Luft pro Sekunde ausatmen kann, wenn er sich anstrengt. Phillip weiß das, weil er unter Cystischer Fibrose (CF) leidet, besser bekannt als Mukoviszidose. Daher müssen seine Ärzte regelmäßig die so genannte Einsekundenkapazität messen.

„Jeder Fünfundzwanzigste trägt den Defekt in seinen Erbanlangen, aber nur bei einem von 2.500 Menschen tritt die Krankheit in Erscheinung“ erläutert Dr. Georg Hülskamp, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Clemenshospitals. Bei der Mukoviszidose produzieren die Schleimhäute zähen Schleim, der zum Beispiel in der Lunge die kleinen Atemwege verstopft, es kommt zu Entzündungen, die nach und nach das Atmungsorgan zerstören. Im Mukoviszidose-Zentrum des Clemenshospitals betreut der Oberarzt Dr. Peter Küster rund 95 Patienten vom Säugling bis zum Erwachsenen. „Vor 20 Jahren wurden die Betroffenen im Durchschnitt 18 Jahre alt, inzwischen sind es 35 Jahre. Die Krankheit ist nicht heilbar aber die Medizin kommt in kleinen Schritten dabei voran, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern“, erklärt der Experte für Lungen- und Darmerkrankungen von Kindern.

Ein solcher kleiner Schritt ist die Entwicklung eines neuen Gerätes, mit dem die Atemfunktion wesentlich genauer als bisher untersucht werden kann. Das Gerät misst die Zeit, die der Patient braucht, bis der normale Stickstoff aus der Luft vollständig aus der Lunge verschwunden ist, wenn er reinen Sauerstoff atmet. Das Verfahren ist so empfindlich, dass schon kleinste Veränderungen der Atmungsorgane erkannt und frühzeitig behandelt werden können. Viele langwierige und belastende Behandlungen können so vermieden werden.

Die Anschubfinanzierung des teuren und in der Region einzigartigen Gerätes leistete die CF-Selbsthilfegruppe Osnabrück e. V., den Rest übernahm das Clemenshospital. Andrea Silies, selber Mutter eines Kindes mit Mukoviszidose und Vorstandsmitglied der Selbsthilfegruppe, kennt die Probleme, mit denen die Betroffenen zurechtkommen müssen: „Die Kinder müssen schon sehr früh sehr diszipliniert sein, ihre Medikamente regelmäßig einnehmen, Atemübungen durchführen, viel Trinken und möglichst viel Sport treiben.“ Für Phillip kein Problem, er kennt die Krankheit schon lange, sie gehört zu seinem Leben. Sein nächstes Ziel? „Ich möchte beim SC Union 08 Lüdinghausen Fußball spielen!“

Am kommenden Samstag, 24. März, findet von 9 bis 13 Uhr im Clemenshospital eine Infoveranstaltung für Ärzte, Physiotherapeuten, Patienten und Eltern zum Thema Mukoviszidose statt. Infos und Anmeldung bei der Akademie für ärztliche Fortbildung unter (0251) 929-2235

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