Der Geschäftsführer des Clemenshospitals, Stefan Kentrup, Carsten Wilke, die Bereichsleitung MTAR Sandra Ruddigkeit und Prof. Dr. Arnt-René Fischedick (v.l.) am neuen Beschleunigerkopf.
Im Kontrollraum wird die Bestrahlung überwacht.
Auf dem Monitor ist die exakte Position der Bleilamellen zu erkennen.
Der Teilchenbeschleuniger mit dem neuen Elekta Agility.
Der Teilchenbeschleuniger mit dem neuen Elekta Agility.
Der Teilchenbeschleuniger mit dem neuen Elekta Agility.
Der Teilchenbeschleuniger mit dem neuen Elekta Agility.

Mit dem Teilchenbeschleuniger gegen den Krebs

[09.07.2014]

Vor zwei Jahren begeisterte die Entdeckung des als „Gottesteilchen“ bezeichneten Higgs-Bosons die Welt, nachgewiesen wurde es in einem riesigen Teilchenbeschleuniger. Die kleinen Brüder dieser Hightech-Geräte leisten bereits seit mehreren Jahren wertvolle Dienste bei der Behandlung von Krebstumoren. Ein Gerät der neuesten Generation ist nun im Clemenshospital im Einsatz.

„Elektronen werden in einer rund vier Meter langen Röhre fast auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt um dann abrupt abgebremst zu werden, dabei entsteht ultraharte Röntgenstrahlung“, erläutert der leitende Medizinphysiker des Clemenshospitals, Carsten Wilke, die Technik. Diese spezielle Strahlung wird zur Behandlung von Tumoren und Metastasen eingesetzt.

Das Problem: Die Strahlen können nicht zwischen gesundem und erkranktem Gewebe unterscheiden, auf ihrem Weg zum Einsatzgebiet könnten sie empfindliche Bereiche und Organe schädigen. Um dies zu vermeiden, muss der Strahl exakt den Tumor treffen. In der Klinik für Strahlentherapie des Clemenshospitals steht hierfür nun ein hochmoderner neuer Bestrahlungskopf zur Verfügung, der mit seinen 160 computergesteuerten Bleilamellen laufend die Form des Strahls genau dem Tumor anpasst, während das Gerät den Patienten umrundet. „Dieses neue Gerät, das im Bereich Westfalen-Lippe einmalig ist, reduziert die Bestrahlungszeit um fast die Hälfte, ermöglicht eine präzisere Bestrahlung und einen besseren Schutz der umgebenden Organe“, erläutert der Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Prof. Dr. Arnt-René Fischedick.

Rund 1.400 Patienten werden jährlich in der Strahlentherapie des Clemenshospitals behandelt. Zum Einsatz kommt der Beschleuniger bei einer Vielzahl von Tumorerkrankungen, unter anderem bei Lungenkrebs, Darmkrebs oder Prostatakrebs. Tage vor der Bestrahlung werden Aufnahmen mit dem Computertomografen (CT) erstellt, der Tumor wird begutachtet und markiert. Mit aufwendigen Computerberechnungen ermitteln dann die Experten unterschiedliche Vorgehensweisen der Bestrahlung, bis der schonendste und effektivste Weg gefunden wurde. Während der Behandlung wird mit einem weiteren CT garantiert, dass der Patient genau an der richtigen Stelle bestrahlt wird. „Vier bis acht Wochen dauert die Behandlung, je nach Tumorart“, erklärt Fischedick, während dieser Zeit muss der Patient an jedem Wochentag in die Klinik, die Bestrahlung dauert jeweils etwa zwei Minuten.

Bei der sogenannten stereotaktischen Radiochirurgie wird der gebündelte Strahl punktgenau zum Beispiel gegen kleinere Tumoren in Gehirn, Lunge, Leber, Nebennieren oder Wirbelsäule eingesetzt, mit der Präzision eines Skalpells, das durch eine solche Bestrahlung ersetzt werden kann, „Der Strahl ersetzt des Stahl“ bringt es Wilke auf den Punkt.