Oberärztin Dr. Kerstin Kaste führt bei einer hochschwangeren Frau eine Ultraschalluntersuchung durch. Schon zu diesem Zeitpunkt wird die werdende Mutter über die Möglichkeit der Nabelschnurblutspende informiert.

Mit Nabelschnurblut Leben retten

[20.07.2011]

Es ist dieser eine Moment, der ein ganzes Leben verändert: Die Mutter liegt in den Wehen, ein letztes Pressen, dann ist das lang ersehnte Wunschkind endlich da. Es schreit, sieht rosig und gesund aus, und wird der überglücklichen Mutter in den Arm gelegt. Wenn der Vater dann zur Schere greifen darf, um die Nabelschnur durchtrennen, ist der Moment perfekt. Aber was passiert dann? Unbemerkt von den strahlenden Eltern wird die Nabelschnur entsorgt. Dabei könnte sie Leben retten. Aus diesem Grund hat sich das Clemenshospital mit der José Carreras Stiftung zusammengetan, und bietet den Müttern ab sofort die kostenlose Nabelschnurblutspende an. Damit nicht nur das eigene Kind wohl auf ist, sondern auch andere Menschen dieses Glück empfinden können. 

Stammzellen helfen z. B. bei Leukämie

Nabelschnurblut ist Blut, das nach der Entbindung des Kindes in der Nabelschnur zurückbleibt. Mit der erfolgreichen Geburt des Kindes hat die Nabelschnur ihre eigentliche Aufgabe erfüllt, und wird mit dem darin enthaltenen Restblut im Normalfall entsorgt. Das ist schade, denn Nabelschnurblut enthält so genannte Blutstammzellen, ähnlich derer, die auch im Knochenmark vorkommen. Diese Stammzellen können dazu verwendet werden, Kindern und Erwachsenen mit Leukämien und anderen Erkrankungen des blutbildenden Systems zu helfen. Die schnelle Verfügbarkeit des Nabelschnurblutes ist dabei ein bedeutender Vorteil gegenüber der weit aufwendigeren Knochenmarktransplantation.

Jede volljährige und gesunde Mutter kann nach der Geburt das Nabelschnurblut spenden. Dies geschieht durch das geschulte Krankenhauspersonal, und zwar ohne jegliches Risiko, völlig schmerzfrei und natürlich absolut kostenlos. Die werdenden Mütter werden schon im Vorfeld, wenn sie sich im Clemenshospital vorstellen, gefragt, ob sie das Blut spenden möchten. So wird sichergestellt, dass die Frau nicht unter dem emotionalen Druck und den Ängsten und Schmerzen einer Geburt so eine Entscheidung treffen muss. Eine Unterschrift unter den Aufklärungsbogen genügt, und das Blut kann verwendet werden. „Wir freuen uns sehr, dass wir den Frauen nun diese Möglichkeit anbieten können“, sagt der Chefarzt der Frauenklinik, Prof. Dr. Hans-Joachim Muhs.