Prof. Baumgart berichtet über das neue Diabetes-Medikament.

Neues Medikament revolutioniert die Diabetes-Therapie

[30.09.2015]

Prof. Peter Baumgart ist die Begeisterung noch deutlich anzumerken. Was ihn und 5000 weitere Diabetologen aus aller Welt in Stockholm während der Vorstellung einer großen Studie zu spontanen Beifallsbekundungen hingerissen hat,  ist aus Sicht des Chefarztes des Clemenshospitals in Münster nichts geringeres als eine Sensation.

Trotz allen Fortschritts konnte die Medizin bislang nicht verhindern, dass Diabetiker eine um sechs Jahre geringere Lebenserwartung als Nichtdiabetiker haben. Mit dem neuen Wirkstoff Empagliflozin ändert sich dies, das haben Studien an rund 7000 Patienten mit einem Typ-2-Diabetes ergeben. Das Medikament wird in Deutschland selten verschrieben, weil die höheren Kosten bislang nicht durch einen Vorteil für die Betroffenen gerechtfertigt wurden und die Kassen daher diese nicht übernommen haben. „Das hat sich durch die Studie nun geändert und ich bin mir sicher, dass das neue Medikament die Behandlung des Diabetes vom Typ 2 grundlegend verändern wird“, erläutert der Chefarzt.

Der Wirkstoff sorgt dafür, dass Glucose, die normalerweise von den Nieren zurück in den Körper geführt wird, nun über den Urin ausgeschieden wird und so den Blutzucker nicht erhöhen kann. Positiver Nebeneffekt: Es kommt nicht mehr zur Gewichtszunahme. Prof. Baumgart hat die Vorteile ausgerechnet: „Von 1000 Diabetikern sterben innerhalb von drei Jahren 25 Betroffene weniger und es müssen 14 Patienten weniger im Krankenhaus wegen einer Herzinsuffizienz, also einer Schwäche des Herzmuskels, behandelt werden.“ Eine Gefahr der Unterzuckerung sei auch nicht gegeben, wie der Experte bestätigt.