Chefärztin Prof. Dr. Uta Schick zeigt Marieluise Albracht auf dem MRT-Bild, wo das Ödem im Rückenmark schon zu einer beginnenden Querschnittslähmung geführt hat.

„Niemand wollte mir glauben“

[13.09.2013]

Anfang Mai letzten Jahres traf es Marieluise Albracht wie aus heiterem Himmel, ein Sturz im Bad endete mit einem Sprunggelenksbruch. Der Knochenbruch wurde in ihrer Heimatstadt Paderborn behandelt, eine Routineoperation. Doch bei der 70-Jährigen blieben Zweifel zurück: „Man fällt doch nicht einfach so hin. Meine Beine haben plötzlich ihren Dienst versagt, dafür musste es doch einen Grund geben.“

Selbst die Magnetresonanztomografie (MRT) brachte keine Erklärung für die Sturzursache. Auch bei der anschließenden Reha blieb die Angst vor einem erneuten Sturz. Zwei Monate später war es dann soweit, wieder stürzte Marieluise Albracht und wieder konnte keine Ursache festgestellt werden. Vom Wirbelsäulenexperten wurde sie zum Orthopäden und von dort weiter zum Neurologen geschickt. Inzwischen waren schon die Arme betroffen. „Ich wusste, dass etwas Schlimmes dahintersteckt, aber niemand wollte mir glauben“, berichtet die resolute Rentnerin. Die 70-Jährige blieb beharrlich, hakte immer wieder nach. Erst ein Experte in Lippstadt, der Neurologe Prof. Dieter Matz, erkannte eine Schwellung (Ödem) im Rückenmark der Brustwirbelsäule und nahm sofort Kontakt mit Prof. Dr. Uta Schick vom münsterschen Clemenshospital auf. „Auf dem Bild des MRT waren Blutgefäße zu sehen, die dort nicht hingehörten“ erinnert sich die neurochirurgische Chefärztin und war sich sicher, dass eine Fistel, eine krankhafte Verbindung zwischen Arterie und Vene, die Ursache sein musste. Dadurch steigt der Druck in der Vene stark an. „Solche Fisteln liegen normalerweise in unmittelbarer Nähe zur Schwellung“ erklärt Schick, „in diesem Fall war aber nichts zu finden.“

Die neurochirurgische Klinik des Clemenshospitals kooperiert eng mit dem Neuroradiologen Priv.-Doz. Dr. Werner Weber vom Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen. „Dr. Weber ist ein ausgewiesener Experte mit sehr großer Erfahrung auf dem Gebiet der Angiographie, der Kontrastmitteldarstellung von Blutgefäßen“, erklärt die Neurochirurgin. Doch auch Weber benötigte drei Anläufe bis die Fistel endlich gefunden wurde, am unteren Ende der Wirbelsäule, gespeist aus einer Arterie im kleinen Becken. „Ich war mir ganz sicher, dass eine Fistel dahinterstecken musste. Aber ein derart großer Abstand zum eigentlichen Ödem ist extrem selten“, berichtet Prof. Schick. Sie operierte die Fehlbildung, Schwellung und Lähmungen bildeten sich zurück. „Ohne diese Operation wäre ich heute querschnittsgelähmt, ich bin sehr dankbar“, freut sich Marieluise Albracht.

Seit Januar 2013 angiographiert und embolisiert Dr. Weber jetzt jede Woche auch direkt im Clemenshospital. Die Behandlung dieser Patientin war der Beginn ein sehr erfolgreichen Zusammenarbeit.