Susanne Barkentien (l.) wurde von Dr. Rüdiger Langenberg im Clemenshospital erfolgreich operiert.

Reizblase sollte kein Tabuthema sein

[20.08.2015]

Obwohl in Deutschland vermutlich rund 2,6 Millionen Frauen unter einer sogenannten Reizblase leiden, ist dies noch immer ein Tabuthema. Die Symptome kommen oft schleichend, so wie bei Susanne Barkentien. „Ich hatte ein ständiges Druckgefühl im Unterbauch und musste immer häufiger zur Toilette“, beschreibt die sportliche 44-Jährige ihren Leidensweg. Was anfangs nur lästig war, schränkte sie mit fortschreitender Erkrankung immer stärker ein, irgendwann war der Gang aus dem Haus grundsätzlich mit der Frage verbunden, ob auf dem Weg eine öffentliche Toilette zu finden ist.

„Der erste Schritt muss das offene Gespräch mit dem Haus- oder Frauenarzt sein“, erläutert Dr. Rüdiger Langenberg, Chefarzt der Frauenklinik des Clemenshospitals. Langenberg führt als einziger Arzt in der Region seit rund einem Jahr ein neues Operationsverfahren zur Therapie der Reizblase durch, mit sehr gutem Erfolg. „Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass die Heilungschancen dauerhaft bei 75 Prozent liegen.“ Auch Susanne Barkentien wurde zur weiteren Diagnostik in das urogynäkologische Zentrum des Clemenshospitals überwiesen, wo dieser Eingriff Mitte des Jahres bei ihr durchgeführt wurde. „Der Erfolg tritt sofort ein, nach wenigen Tagen war ich wieder fit. Wenn ich das vorher geahnt hätte, wäre ich früher ins Krankenhaus gegangen“, freut sich die Grevenerin über den Behandlungserfolg. Noch weitere vier Wochen Schonung und ihren Hobbys Yoga, Schwimmen und Radfahren stand nichts mehr im Wege.

„Bei diesem Operationsverfahren werden die gedehnten oder gerissenen Bänder im Unterbauch durch ein Spezialnetz nachgeahmt, der Druck auf die Blase verschwindet“ beschreibt Langenberg die Wirkungsweise dieser Methode, die je nach Vorbedingungen CESA oder VASA heißt und nur in wenigen Zentren in Deutschland durchgeführt wird. „Viele Betroffene ahnen nicht, dass es diese Möglichkeit gibt und ergeben sich in ihr Schicksal“, bedauert der Chefarzt.

Um über das Tabuthema “Harninkontinenz und Senkungsbeschwerden bei der Frau“ zu informieren, findet am Mittwoch, 26. August, um 18.00 Uhr eine öffentliche Infoveranstaltung im Gesundheitshaus der Stadt Münster, Gasselstiege 13, statt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht notwendig.