Prof. Dr. Peter Baumgart, Willi Kunof und Michael Tannheimer (v. l.) bei der Präsentation des neuen Gerätes.
Prof. Dr. Peter Baumgart, Willi Kunof und Michael Tannheimer (v. l.) bei der Präsentation des neuen Gerätes.
An diesem Modell zeigen die Experten, wo die Elektrode an der Halsschlagader von Willi Kunof befestigt wurde.
Diese winzige Elektrode wurde auf der Halsschlagader von Willi Kunof festgenäht.
Prof. Dr. Peter Baumgart (l.) demonstriert bei Willi Kunof, wo der Sensor des Barorezeptorenstimulators implantiert wurden.
Prof. Dr. Baumgart und Willi Kunof freuen sich über den Erfolg des neuen Hightech-Gerätes.
Das Röntgenbild zeigt, wo "Schrittmacher" und Elektrode liegen.
Dieses Gerät regelt bei Willi Kunof ab sofort den Blutdruck.

Schrittmacher für einen besseren Blutdruck

[08.03.2013]

Was da im münsterschen Clemenshospital implantiert wurde, sieht auf den ersten Blick aus wie ein Herzschrittmacher. Doch das kleine Wunderwerk hilft nicht der Pumpe auf die Sprünge sondern dem Blutdruck. Es nutzt eine faszinierende Struktur des menschlichen Körpers, die Barorezeptoren. Diese sitzen in den Arterien und melden dem Gehirn laufend den aktuellen Blutdruck. Ist dieser aus dem Lot geraten, wird über die Pulsfrequenz und den Durchmesser der Blutgefäße reguliert, bis der Druck wieder stimmt.

Das neue Gerät, ein sogenannter Barorezeptorstimulator, spiegelt mit elektrischen Impulsen über eine Elektrode den Rezeptoren an der Halsschlagader einen zu hohen Blutdruck vor, die Schaltzentrale im Gehirn steuert gegen und senkt den Druck. Prof. Dr. Peter Baumgart, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, ist zwar begeistert von der neuen Möglichkeit zur Blutdruckkontrolle, dämpft aber übertriebene Hoffnungen. „Das Gerät ist nur dort sinnvoll, wo andere Methoden wie die Anpassung der Lebensgewohnheiten oder des Körpergewichtes ebenso versagen wie Medikamente oder operative Methoden wie die renale Denervierung“, erläutert der Mediziner. So wie bei Willi Kunof, bei dem durch Zufall ein Blutdruck von über 200 mm/Hg entdeckt wurde. Eine tickende Zeitbombe, Schlaganfall, Herzinfarkt und weitere lebensgefährliche Folgeschäden drohten.

Obwohl der Patient fünf unterschiedliche Medikamente nahm, wollte der Blutdruck nicht sinken. Nun wurde ihm der „Blutdruckschrittmacher“ eingesetzt, drei Wochen nach der Operation wurde das Gerät über Funk aktiviert. „Wir konnten sofort auf dem Monitor verfolgen, wie der Blutdruck sank“ erzählt Baumgart noch immer begeistert. Jetzt hat Willi Kunof einen „Traumwert“ von etwa 130/80 mm/Hg. „In den ersten Wochen wird sich der Patient noch etwas müde und schlapp fühlen, der Körper muss sich erst auf den neuen Blutdruck einrichten“ sagt der Chefarzt.

Über 26.000 Euro kostet das Gerät, schon aus diesem Grund ist eine Implantation nur bei ausgewählten Patienten möglich. Erst einige Hundert Geräte wurden weltweit bislang eingesetzt, von dem kleinsten und neuesten Modell, das bei Willi Kunof arbeitet, sind es erst knapp über 100, wie Michael Tannheimer von der Herstellerfirma CVRx bestätigt.