Aufmerksame Zuhörer bei der Podiumsdiskussion im Gebäude des Regierungspräsidiums Münster
Stefan Kentrup (2. v. l.) im Gespräch mit dem Moderator Dr. Norbert Tiemann (2. v. r.). Mark Lönnies vom Evangelischen Krankenhaus Johannisstift (r.) und Josef Rickfelder von der CDU (l.) hören aufmerksam zu.
Die Teilnehmer des Podiumsgesprächs (v. l.): Dr. Michael Jung, Dr. Christoph Hoppenheit, Maria Klein-Schmeink, Stefan Kentrup, Berthold Mathias, Mark Lönnies, Burkhard Nolte und Josef Rickfelder.
Aufmerksame Zuhörer bei der Podiumsdiskussion im Gebäude des Regierungspräsidiums Münster
Aufmerksame Zuhörer bei der Podiumsdiskussion im Gebäude des Regierungspräsidiums Münster
Dr. Michael Jung (SPD), Maria Klein-Schmeink (Grüne), Berthold Mathias (Herz-Jesu-Krankenhaus) und Burkhard Nolte (St. Franziskus-Hospital) im Gespräch mit Dr. Norbert Tiemann.

Spannende Podiumsdiskussion zur Sparpolitik

[02.05.2012]

Wenn die Geschäftsführer alle konfessionellen Akutkrankenhäuser Münsters und der kaufmännische Direktor des Uniklinikums gemeinsam zum Podiumsgespräch einladen, ist dies nicht nur ein bislang einmaliger Vorgang sondern auch ein dringender Aufruf an die Politik: So kann es nicht weitergehen! Das zu erwartende finanzielle Defizit entspricht umgerechnet rund 200 Stellen in der Pflege.
Am 2. Mai fand in den Räumen der Bezirksregierung Münster eine öffentliche Podiumsdiskussion mit Vertretern der Politik und des Gesundheitswesens statt, zu der über 100 Interessierte kamen, hauptsächlich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Münsters Kliniken. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Chefredakteur der Westfälischen Nachrichten, Dr. Norbert Tiemann.

Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst von 6,3 Prozent, die Anhebung der Löhne bei den Ärzten um 3 Prozent, eine Steigerung der Urlaubstage, steigende Energie- und Sachkosten, nichts davon wird bislang von der Gesundheitspolitik gegenfinanziert. Dabei haben Deutschlands Kliniken ihre Hausaufgaben gemacht, in den letzten Jahren wurden die Bettenzahlen und die Verweildauer drastisch verringert, das Personal reduziert und die Behandlungszahlen angehoben. Heute bietet unser Land eines der effizientesten Gesundheitssysteme der Welt. „Die Politik schmückt sich gerne mit unserem Gesundheitssystem. Ausgetragen wird das Ganze aber immer auf dem Rücken derjenigen, die am Patienten arbeiten“ ärgerte sich Stefan Kentrup, Geschäftsführer von Clemenshospital und Raphaelsklinik, während der Podiumsdiskussion. Auch sein Kollege von der Universitätsklinik, Dr. Christoph Hoppenheit, pflichtete ihm bei: „Die Politik verspricht, dass man im Krankenhaus bestens versorgt wird, gibt uns aber nicht das Geld dafür!“

Als „zynisch“ betrachteten es die Klinikvertreter, dass die Krankenkassen ein Plus von zehn Milliarden Euro auf ihren Konten verbuchen können, die Krankenhäuser aber weiterhin die Kassen finanziell unterstützen müssten. Berthold Mathias, Geschäftsführer des Herz-Jesu-Krankenhauses in Münster-Hiltrup, verwies auf die schwindende Attraktivität der Pflegeberufe: „Wenn ich in der Zentralschule für Gesundheitsberufe mit den Auszubildenden spreche, sagen viele, dass sie nach der Ausbildung lieber etwas anderes machen wollen. Das ist ein deutliches Alarmsignal!“ Ähnlich sieht es sein Kollege Burkhard Nolte vom St. Franziskus-Hospital: „Die Kliniken konkurrieren um die wenigen Schulabgänger und Fachkräfte und machen im Gegenzug die Jobs immer unattraktiver!“

Als Gesprächspartner aus der Politik wagten sich der CDU-Landtagsabgeordnete Josef Rickfelder, die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Maria Klein-Schmeink und Dr. Michael Jung von der SPD in den Ring. Überraschendes Fazit der drei Parteienvertreter: Ja, hier muss nachgebessert werden. Wann und wie dies geschehen soll, ließen sie allerdings offen. Klein-Schmeink bestätigte, dass das Sparen in den letzten Jahren vollständig zu Lasten der Pflege ging und dass dies nicht weiter hinnehmbar sei.

Kentrup sprach aus, was viele dachten: „In Münster müssen gegenwärtig noch keine Kliniken geschlossen werden. Für die Zukunft ist dies aber nicht auszuschließen!“ Nachdenklich stimmte der Appell einer Krankenschwerster am Ende des Podiumsgespräches: „Lassen Sie nicht zu, dass sich die Spirale immer enger dreht. Zwei Schwestern für 30 Schwerstkranke, das kann nicht sein!“