Dr. Rüdiger Langenberg, Ilka Gabriel, Breast Nurse am Clemenshospital und Dr. Freerk T. Baumann (v.l.) während des Brustkrebstags.

Sport im Kampf gegen den Brustkrebs

[10.10.2014]

Dr. Rüdiger Langenberg, Chefarzt der Frauenklinik des Clemenshospitals, blickt zuversichtlich in die Zukunft, „Eine große Zahl neuer Medikamente zur Behandlung des Brustkrebs kommt auf uns zu, im Köcher sind immer mehr Pfeile, die wir einsetzen können!“ Wichtig sei nach Meinung des Experten die richtige, individuelle Kombination, passend zum Tumortyp. Langenberg berichtete während eines Patiententags vor rund 60 betroffenen Frauen über moderne Therapien bei Brustkrebs.

Dr. Freerk T. Baumann von der Sporthochschule Köln verblüffte die Zuhörerinnen im Anschluss mit aktuellen Erkenntnissen über die heilende Wirkung vieler Sportarten. „Ende der 70er Jahre hatten Mediziner Angst, dass sportliche Bewegung zur Verbreitung von Metastasen im Körper beiträgt. Noch heute finden sich entsprechende Warnungen auf manchen Trampolinen. Das ist totaler Blödsinn!“, berichtet der Sportmediziner. Anstrengungen beim Sport würden hingegen die Produktion der natürlichen Killerzellen sprunghaft ansteigen lassen, diese attackieren auch Krebszellen. Leider würden sich viele Menschen nach einer Krebsdiagnose zurückziehen und inaktiv werden, das sei nach Meinung Baumanns zwar verständlich aber gefährlich. Liegt zwischen Diagnose und Operation hingegen etwas Zeit, sollten die Betroffenen direkt mit Krafttraining beginnen, dann würden sie mit mehr Reserven in die Zeit nach den Eingriff gehen.

Nicht jede Sportart sei gegen jedes Problem gleich gut geeignet. Bei Lymphödemen bietet sich Wassertraining an, bei Polyneuropathien ein Gleichgewichtstraining zum Beispiel auf Vibrationsplatten, bei der gefürchteten Müdigkeit, der Fatigue, kann ein strukturiertes Kraft- und Ausdauertraining helfen, jedoch nicht zu viel, dies würde die Müdigkeit wiederum verstärken. Bei Osteoporose sei ein Wassertraining hingegen vollkommen ungeeignet, erläutert der Experte und wundert sich, dass es eine Vielzahl entsprechender Angebote auf dem Markt gebe. Die Ergebnisse entsprechender Untersuchungen sei beeindruckend: Innerhalb von sieben Jahren würde sich durch regelmäßiges Krafttraining das Sterberisiko um ein Drittel verringern, berichtet Baumann. „Insgesamt muss die Versorgung von Krebspatienten mit gezielten Sportprogrammen in Deutschland deutlich verbessert werden“, fordert der Experte.