Diskutierten unter der Moderation von Ulrich Breulmann (m.) mit angehenden Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger (v. l.): Christoph Strässer, Markus Leßmann, Susanne Schneider und Jens Spahn.
Im Gespräch mit den Auszubildenden: Jens Spahn (CDU)
Im Gespräch mit den Auszubildenden: Susanne Schneider (FDP)
Im Gespräch mit den Auszubildenden: Christoph Strässer (SPD)

Stärkere Lobby für die Pflege

[05.11.2012]

„Der Beruf ist klasse aber die Rahmenbedingungen sind sehr schlecht!“, dieses vernichtende Résumé ziehen viele der Auszubildenden im Oberkurs der Zentralschule für Gesundheitsberufe St. Hildegard. Täglich arbeiten sie zusammen mit den ausgebildeten Pflegekräften auf den Stationen der Krankenhäuser und müssen erkennen, dass sie die hohen Ansprüche, die sie an ihre eigene Arbeit stellen, kaum umsetzen können. Sie opfern zum Teil ihre Mittagspausen, um etwas mehr Zeit für die Patienten herauszuschlagen.

Elf von dreizehn der Auszubildenden sagen offen, dass sie sich nach dem Examen schnellstmöglich aus dem Beruf zurückziehen werden. Die Ursache ist für sie klar: zu wenig Personal für zu viele Patienten, es reiche in der Versorgung gerade fürs Nötigste und mitunter nicht mal dafür. Gemeinsam verfassten sie Briefe an die großen Parteien, um auf die gravierenden personellen Missstände in den Krankenhäusern hinzuweisen. „Wir waren erstaunt, wie umfangreich die Rückmeldungen waren“ berichtet Birgit Schunicht von der Zentralschule. Sie luden die Parteien zu einer Diskussionsrunde mit den Auszubildenden ein, die gestern hochkarätig besetzt stattfand. Die Bundestagsabgeordneten Jens Spahn (CDU) und Christoph Strässer (SPD), die Landtagsabgeordnete Susanne Schneider (FDP) sowie Ministerialdirigent Markus Leßmann vom NRW-Gesundheitsministerium diskutierten angeregt mit den gut vorbereiteten Auszubildenden.

„Die Schere zwischen den gestiegenen Lohnkosten und dem, was die Kliniken für die Behandlung der Patienten erhalten, geht immer weiter auseinander“ räumte Spahn ein, machte aber gleichzeitig klar, dass man versuchen müsse, möglicherweise überflüssige Eingriffe zu reduzieren, um dann das eingesparte Geld in die Pflege zu investieren. Sein Kollege Strässer verdeutlichte hingegen, dass die Pflege, anders als die Medizin, in Berlin keine Lobby hätte. Verbesserungen seien daher nur schwer durchzusetzen. Vor diesem Hintergrund wirkte die Bitte einer Auszubildenden nach einem Hoffnungsschimmer aus Berlin, dass die Sorgen der Pflegenden ernst genommen werden mögen, fast aussichtslos. Susanne Schneider, früher selber Krankenschwester, sah ein Hauptproblem bei den fachfremden Tätigkeiten, die zu wenig Zeit für die eigentlichen Aufgaben der Pflege übrig ließen. Leßmann sah einen Lösungsansatz daher in einer verstärkten Kontrolle bei der Einhaltung der Arbeitsschutzbestimmungen. Abschließend forderten die Auszubildenden von den Politikern, verstärkt den Dialog mit denjenigen zu suchen, die tagtäglich mit den Patienten arbeiten. Ein Anfang ist getan.