Dr. Michael Kros, Dr. Antonius Beermann, Dorothee Lamann, Dr. Norbert Mertes, Dieter Kemmerling, Prof. Dr. Barbara Suwelack, Dr. Dietrich Brückner und Dr. Mario Santamaria (v. l.) trafen sich im Clemenshospital.
Die Transplantationsexperten beim Pressegespräch.
Dr. Antonius Beermann (l.) ist Transplantationsbeauftragter im Clemenshospital.

Treffen der Transplantationsbeauftragten

[12.07.2013]

Am 11. Juli trafen sich die Transplantationsbeauftragten der münsterschen Akutkrankenhäuser Clemenshospital, Raphaelsklinik, Universitätsklinikum, St. Franziskus-Hospital, Herz-Jesu-Krankenhaus Hiltrup und des Evangelischen Krankenhauses im Clemenshospital Münster zu ihrem jährlichen Treffen. Diesmal standen die Fortbildung von ärztlichen und pflegerischen Mitarbeitern, die Verteilung finanzieller Mittel des Landes, das Ende der Inhouse-Koordinatoren und der Tag der Organspende im Jahr 2014 auf der Agenda.

Das Treffen sei keine Reaktion auf die Skandale der vergangenen Monate, sondern eine jährlich angelegte Zusammenkunft, um das Thema Organspende in die Öffentlichkeit zu rücken und die Spendebereitschaft zu steigern, betonen die Experten. „Die Organspende wird vor dem Tod zu wenig thematisiert“, so Dr. Antonius Beermann, Oberarzt am Clemenshospital. Dem entgegen zu wirken haben sich die Transplantationsbeauftragten zum Ziel gemacht. Sie wollen Aufklärungsarbeit innerhalb der Ärzteschaft und der Bevölkerung leisten, so halten sich zum Beispiel viele Menschen aufgrund einer chronischen Erkrankung fälschlicherweise für ungeeignet zur Organspende. Dass solche Zweifel beseitigt werden, wünscht sich auch der Musiker und Transplantationspatient Dieter Kemmerling. Der Vorsitzende der Initiative „No Panic for Organic“ setzt sich dafür ein, dass der Gedanke der Organspende innerhalb der Gesellschaft positiv wahrgenommen wird: „Jeder kann in diese Situation kommen. Dann brauchen wir einen anderen Menschen um weiterleben zu können.“

Wegen der vereinzelten Transplantationsskandale in deutschen Krankenhäusern ist die Zahl der Organspender innerhalb der letzten Monate massiv gesunken. Alleine für eine Nierentransplantation stehen aktuell 600 Patienten auf der Warteliste der Uniklinik, berichtet deren Oberärztin Prof. Dr. Barbara Suwelack.

Dass ein genereller Vertrauensverlust in die Medizin aufgrund von Einzelfällen unbegründet ist, weiß Dr. Mario Santamaria, Oberarzt am St. Franziskus-Hospital: „Es ist explizit gefordert, dass die Ärzte, die die Diagnose des Hirntodes feststellen, an der Vergabe der Organe nicht beteiligt sind“, betont er.

Außerdem ist es den Transplantationsbeauftragten wichtig, dass die Ängste und Zweifel der Angehörigen nicht übergangen werden. „Der Organspendeausweis gilt zunächst als Einwilligung, wenn die Angehörigen jedoch dagegen sind, werden keine Organe entnommen“, erklärt Dr. Michael Kros, Oberarzt am Herz-Jesu-Krankenhaus. Man sollte sich jedoch intensive Gedanken machen, ob man einer Spende entgegen wirken möchte, „die Tatsache, dass die Organe gespendet werden und andere Menschen somit weiterleben können, kann in der Trauer oft ein Trost sein“, merkt Dr. Dietrich Brückner, Oberarzt des Evangelischen Krankenhauses, an.

Auch an religiösen oder ethischen Bedenken sollte eine Organspende nicht scheitern. „Alle Weltreligionen haben zu dem Thema  Stellung genommen und stehen hinter dem Prinzip der Organspende“, erklärt Kros. Daher wünscht sich Suwelack auch eine frühzeitige Thematisierung des Transplantationsgedankens im Schulunterricht.

Das Ziel der Transplantationsbeauftragten ist, nicht nur weiterhin die Spendebereitschaft zu steigern, sondern auch den Patienten in ihrer Wartezeit eine möglichst angenehme und schmerzfreie Zeit zu bieten, erläutert Dorothee Lamann vom Universitätsklinikum. An diesem Ziel arbeiten alle Mitarbeiter Tag für Tag gemeinsam. „Das gesamte Krankenhaus steht hinter dem Gedanken der Organspende“, ist sich Beermann sicher.

Isabel Niemann