Philipp, Marieke und Jette (v. l.) können ihren Puppen schon professionell das Fläschchen geben.
Die kleine Dalia wird von der Kinderkrankenschwester Julia van Zoest liebevoll gewickelt, während die Kinder der „Geschwisterschule“ gebannt zuschauen.
Richtiges Wickeln will gelernt sein.
Richtiges Wickeln will gelernt sein.
Auch wie ein Baby gewaschen wird, gehört zum "Unterricht" der Geschwisterschule.
Lustige Fingerspiele werden geübt, um später das neue Geschwisterkind bei Laune zu halten.
Zum 10. Geburtstag gab's einen leckeren Erdbeerkuchen
Gemeinsam besprechen die Kinder mit dem Leiterinnen den Weg des Babys im Bauch der Mutter bis zur Geburt.
Gemeinsam besprechen die Kinder mit dem Leiterinnen den Weg des Babys im Bauch der Mutter bis zur Geburt.
Gemeinsam besprechen die Kinder mit dem Leiterinnen den Weg des Babys im Bauch der Mutter bis zur Geburt.

Zehn Jahre Geschwisterschule

[22.06.2013]

„Mama hat plötzlich nicht mehr geraucht“, auch andere Laster wurden vom einen auf den anderen Tag vom Speiseplan gestrichen, erinnern sich die Kinder der „Geschwisterschule“ im münsterschen Clemenshospital. Bald war klar: Familienzuwachs kündigt sich an.  „Heute Morgen habe ich mit Mama gekuschelt und das Baby hat im Bauch die ganze Zeit getreten“, berichtet ein anderes Mädchen aus der runde halb fasziniert, halb entrüstet. Auch mit der trauten Zweisamkeit könnte es wohl nach der Geburt schnell vorbei sein, das beunruhigt manche der Kinder.

Dass ein solcher Wechsel nicht immer ganz einfach ist, vor allem dann nicht, wenn es bislang erst ein Kind in der Familie gab, liegt auf der Hand. Um Kinder auf ihre neue Rolle als große Schwester oder großen Bruder vorzubereiten, wurde vor genau zehn Jahren die Geschwisterschule am Clemenshospital ins Leben gerufen. Als erste Einrichtung dieser Art in Münster hat das Clemenshospital dabei echte Pionierarbeit geleitet. Die Kinderkrankenschwestern Nicole Steinkamp und Nicole Marquardt erklären dort einmal pro Monat bis zu zehn Kindern unter anderem, wie sich das Baby im Bauch der Mutter entwickelt und wie es auf die Welt kommt. Die beiden „Lehrerinnen“ haben zu jedem Schwangerschaftsabschnitt ein Bild oder einen Gegenstand dabei. Auf der mitgebrachten Ultraschallaufnahme vermuten die meisten Kinder allerdings zunächst nur Schneegestöber, einzig Philipp erkennt sofort den kleinen Fuß im Bildrauschen.

„Wenn das Baby zu früh kommt, muss es wieder rein!“ schlägt Hannah vor, dass es glücklicherweise andere Möglichkeiten gibt, Frühchen zu helfen, wissen die beiden Kinderkrankenschwestern aus ihrem Berufsalltag und erklären dies den gebannt zuhörenden Kindern. Danach folgt als Höhepunkt der Besuch im Kreißsaal und im Neugeborenenzimmer, wo sie durch eine Glasscheibe fasziniert beim Babywickeln zuschauen dürfen. Zurück im „Klassenzimmer“ warten die bereitliegenden Puppen schon darauf, ebenfalls liebevoll und professionell gewickelt, gebadet und gefüttert zu werden. Nachdem noch gemeinsam ein paar Lieder und Fingerspiele geübt werden, steht einem erfolgreichen Start in den neuen Lebensabschnitt als Geschwisterkind nichts mehr im Weg. Ob allerdings die guten Vorsätze, die Eltern zukünftig durch das Waschen der Wäsche, das Abräumen des Frühstückstisches und das Aufräumen des Kinderzimmers zu entlasten auch immer umgesetzt werden, muss wohl abgewartet werden.

Infos zur „Geschwisterschule“ gibt es telefonisch unter 0251.976-2755