Normaldruckhydrocephalus

Der Normaldruckhydrozephalus (= NPH = Normal Pressure Hydrocephalus) ist durch eine Erweiterung der inneren Wasserräume des Gehirns (Liquorräume) gekennzeichnet, ohne dass eine durchgehende Steigerung des Drucks innerhalb des Schädels (= ICP = Intrakranieller Druck = Hirndruck) vorliegt. Bei 10-15 % der Patienten bestehen sogar durchweg normale ICP Werte, trotzdem entwickelt sich ein Syndrom mit typischen klinischen Krankheitszeichen, welches die Betroffenen in ihrer Lebensqualität erheblich beeinträchtigt.

Diese typischen Krankheitszeichen sind bekannt als sogenannte „Hakim Trias“, dazu gehören eine dementielle Entwicklung, eine Gangstörung mit kleinschrittig breitbasigem Gangbild sowie eine Harninkontinenz. Nicht immer sind alle Symptome gleich stark ausgeprägt, Varianten sind häufig, so dass die Abgrenzung gegenüber anderen, deutlich häufigeren Krankheitsbildern, schwierig sein kann. Daraus resultiert die Notwendigkeit einer sorgfältigen Diagnostik.

Diese Diagnostik wird routinemäßig in unserer Klinik durchgeführt, ist grundsätzlich aber auch in einer neurologischen Klinik möglich.
Dazu gehören:
MMST (Mini Mental State Test) zur Erfassung einer Störung der höheren Hirnleistungen.

Quantifizierte Gangprüfung

MRT (= Magnetresonanztomographie = Magnet-Schichtbilduntersuchung des Kopfes) mit Nachweis einer Erweiterung der inneren Hirnwasserräume sowie Abflachung der Hirnwindungen in den obersten (= hoch parietalen) Schichten.

Tap Test (Entnahme von Hirnwasser mit anschließender Prüfung einer Verbesserung vorhandener Symptome.)

Liquorkinetische Diagnostik (Messung der Beziehung zwischen gemessenem Druck und appliziertem Volumen unter Zuführung dessen über eine Kanüle von lumbal her über einen definierten Zeitraum hinweg. Dazu ist eine Lumbalpunktion erforderlich = Punktion des Hirnwasserraums von der Lendenwirbelsäule her).

Neben den Befunden o. g. Untersuchungen sind für die Entscheidung, ob eine OP hilfreich ist oder nicht, natürlich auch der Allgemeinzustand der zumeist älteren Patienten, die alltägliche Lebenssituation sowie internistische Begleiterkrankungen von Bedeutung.

Bei unstrittiger Diagnose eines NPH besteht die Indikation zur Implantation eines ventrikulo-peritonealen Shuntsystems (= Ableitung, die das Hirnwasser aus der in der Regel rechten Hirnkammer in das Bauchfell ableitet). Dafür gibt es heute zuverlässige Systeme. Oft bevorzugen wir Systeme, bei denen auch nachträglich perkutan (= durch die Haut ) eine Umprogrammierung vorgenommen werden kann, um den Fluss durch das System den individuellen Bedürfnissen des Patienten anzupassen. Die Prognose nach einer OP ist in der Regel gut, wenngleich sich nicht immer alle Symptome vollständig zurückbilden, insbesondere wenn gleichzeitig noch andere, mitversachende Erkrankungen vorliegen (z. B. Gefäßerkrankungen, Durchblutungstörungen, degenerative Abbauprozesse).


Computerschichtbild (CCT) mit normalem Ventrikelsystem.


CCT mit erweitertem Ventrikelsystem.


Neben der Erweiterung der Hirnkammern findet sich
typischerweise eine Abflachung der Hirnwindungen bzw.
ein Verstreichen der Windungstäler in den obersten (= hoch parietalen )
CT Schichten (gelber Pfeil).

 
Röntgenbild des Schädels nach Implantation eines Shuntsystems. Der gelbe Pfeil zeigt den Ventrikelkatheter (VK) in Projektion auf das rechte Vorderhorn, der rote Pfeil den ableitenden Schenkel (PK).

 
Röntgenbild des Abdomens (Bauches) nach Implantation eines Shuntsystems. Der gelbe Pfeil zeigt auf den Peritonealkatheter in Projektion auf den Unterbauch.