Invasive (Katheter-) Angiographie

1. Definition

Unter Katheterangiografie - im folgenden vereinfacht Angiografie - versteht man eine Art der Röntgenuntersuchung zur Darstellung von Blutgefäßen in sämtlichen Körperregionen. Hierzu wird über einen Katheter in das betreffende Gefäß Kontrastmittel gespritzt. Anschließend wird die Verteilung mit Röntgenstrahlen sichtbar gemacht und in kleinen Filmsequenzen aufgezeichnet.

Zunehmende Bedeutung gewinnen ergänzend die CT- bzw. MRT-Angiografie, die ohne die Einführung eines Katheters durchgeführt werden.

Jedoch stellt die Katheterangiografie die einzige Methode dar, bei der während der gleichen Untersuchung auch eine Behandlung, wie z. B. die Aufweitung eines Gefäßes durch einen Ballon, möglich ist. Insbesondere bei schwer kranken Patienten, die nicht operationsfähig sind, stellt dieses Verfahren oft die einzig mögliche Behandlungsalternative dar.

2. Häufige Fragestellungen, bei zu untersuchenden Patienten

  • Ursächliche Abklärung eines Schlaganfalls (oft bedingt durch Verengung der Halsgefäße)
  • Genaue Darstellung der Hirngefäße, insbesondere bei V. a. Gefäßaussackungen, Hirntumoren etc.
  • In der Vorbereitung von Transplantationen
  • Zur Feststellung und ggf. Therapie von Verengungen der Nierenarterien, die nicht selten die Ursache eines erhöhten Blutdruckes sind
  • Darstellung und ggf. das Schienen von Aussackungen der Hauptschlagader, die lebensbedrohlich sein können
  • Diagnostik und Therapie (Aufweitung mit einem aufblasbarem Ballon, Einsetzen eines kleinen Röhrchens als Platzhalter...) bei Vorliegen einer "Schaufensterkrankheit"; Diagnostik und Therapie bei Verengungen oder Verschlüssen der Herzkranzgefäße
  • Verschluss von Tumorversorgenden Gefäßen oder Kurzschlüssen zwischen Arterien und Venen mit eingebrachten Partikeln

3. Patientenvorbereitung:

Was gilt es vor und nach der Untersuchung zu beachten?

Im Vorfeld findet, nachdem der behandelnde Arzt die Katheterangiografie vorgeschlagen hat, ein intensives Aufklärungsgespräch des Untersuchers mit dem Patienten statt, in dem nochmals auf Risiken der Untersuchung  bzw. auch auf relevante Vorerkrankungen eingegangen wird. Hier ist ggf. auch das Mitbringen von Voruntersuchungen oder Arztbriefen sinnvoll.

Am Tag der Untersuchung sollte der Patient nüchtern sein. Lediglich die morgendliche Medikamenteneinnahme (sofern nicht anders abgesprochen) ist zulässig. Auf Wunsch ist vor Beginn der Untersuchung die Verabreichung eines Beruhigungsmittels möglich, wobei vielfach eine gewisse Kooperationsfähigkeit des Patienten zumindest von Vorteil ist.

Je nach Art des Verfahrens kann sich eine mehrtägige stationäre Beobachtung anschließen. Kommt der Patient ambulant, sollte er vorher den Rücktransport organisiert haben.

4. Beschreibung des Untersuchungsplatzes

Die Röntgenanlage besteht aus der Röntgenröhre mit dem dazugehörigen Bildverstärker, der eine C-förmige Konfiguration einnimmt. Dazwischen ist der Untersuchungstisch verankert. Der Untersucher kann die damit erstellten Bilder auf Monitoren betrachten, die beweglich an der Zimmerdecke befestigt sind. Der Patient liegt während der Untersuchung auf dem Rücken und kann auf Wunsch den Untersuchungsablauf auch visuell mitverfolgen.

5. Funktionsweise der Anlage

Der Angiografiekatheter ist ein biegsamer, etwa spaghetti-dicker Plastikschlauch, der zur besseren Steuerbarkeit mit einem dünnen Draht versteift werden kann. Durch den Plastikschlauch, der verschieden elastisch ist und je nach Einsatz unterschiedliche Konfgurationen aufweisen kann, wird entweder maschinell oder von Hand Kontrastmittel in das Gefäß gespritzt, das dann mit einer Bildverstärkeranlage auf einem Monitor sichtbar gemacht wird. Mit der entsprechenden Software stehen dem Radiologen verschiedenste Nachbearbeitungsmöglichkeiten zur Verfügung.

6. Untersuchungsablauf:

"Was bemerke ich von der Untersuchung?"

Auch ohne die wahlweise Einnahme von Beruhigungsmitteln wird die Untersuchung von fast allen Patienten als gut tolerierbar empfunden.

Der am häufigsten verwendete Punktionsort, an dem der Katheter in das Gefäßsystem eingeführt wird, ist die Oberschenkelarterie auf Leistenebene. Zuvor wird dieser Bereich durch eine lokale Betäubung schmerzunempfindlich gemacht. Das Vorschieben des Katheters geschieht unter Sicht auf den Monitoren.

Während Kontrastmittel gespritzt wird, empfinden die Patienten in der Regel ein leichtes Wärmegefühl oder auch eine Änderung des Geschmacksempfinden (beides nur kurzzeitig).

Als unangenehm gilt insbesondere für Patienten mit "Rückenproblemen" das unter Umständen längere Zeit dauernde Liegen auf dem Untersuchungstisch bzw. anschließend im Krankenbett.

7. Beurteilung des Untersuchungsergebnisses

Nach Abschluss der Untersuchung beginnt für den Radiologen die technische Nachbearbeitung an einer Arbeitskonsole, hier können z. B. Bewegungsartefakte korrigiert oder Kontraste verändert werden. Auch ist die Addition oder Subtraktion von Bildinformationen möglich. Das Ergebnis wird dem zuweisenden Kollegen zugänglich gemacht und kann auch in dessen Arztzimmer auf dem Monitor betrachtet werden.

Selbstverständlich findet umgehend eine telefonische Befundübermittlung und auf Wunsch auch die Demonstration der Bilder statt. Hierbei findet ein diagnostisch wertvoller Informationsaustausch statt.

8. Vor- und Nachteile der Untersuchungstechnik

Vorteile:

  • gute Bildauflösung, wichtig u. a. für eine exakte Operationsplanung
  • kleinste Gefäße sind selektiv darstellbar
  • Möglichkeit, in derselben Untersuchung auch therapeutisch tätig zu werden (Ballondilatation, Stent-Einlage...)   

Nachteile:

  • Einschränkung der Nierenfunktion
  • Gefäßverschlüsse durch kleine Blutgerinnsel, die sich an der Katheterwand anlagern
  • Kontrastmittelbedingte Nebenwirkungen (allergische Reaktion, Beeinträchtigung der Nierenfunktion, Schilddrüsenüberfunktion.)
  • Blutungen
  • Verwendung von Röntgenstrahlen

9. Ausschlusskriterien für eine angiografische Untersuchung

  • höhergradige Einschränkung der Nierenfunktion
  • Jodallergie
  • Blutgerinnungsstörungen
  • Kontrastmittelallergie