25 Jahre lang war Dr. med. Johannes Uekötter Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Clemenshospitals. Seine erste Visite absolvierte er in der Silvesternacht 1981, "als alle anderen feierten", erinnert er sich. Nun wurde er am Freitagabend, 29. Juni, mit einem vom Bischof Reinhard Lettmann geführten Gottesdienst und einer Feierstunde in den Ruhestand verabschiedet.
Seine medizinische Laufbahn begann mit dem Studium in Münster und dem Staatsexamen 1971. Promoviert hat Uekötter in Humangenetik. Als Assistenz- und Oberarzt war er danach in Rheine und Datteln tätig, bildete sich in Essen, Düsseldorf und Hannover in den Bereichen Nephrologie, Gastroenterologie, Pneumologie und Allergologie weiter. Sieben Jahre lang arbeitete er an der Kinderklinik in Datteln und baute dort die Bereiche für pädiatrische Gastroenterologie, Nephrologie, Pneumologie, Mukoviszidose und Allergologie auf. Mit der Übernahme der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Clemenshospitals Münster im Januar 1982 wurden die pädiatrischen Schwerpunktbereiche auch hier aufgebaut und etabliert mit Ausnahme der Nephrologie.
Nur wenige Monate nach seinem Start in Münster holte Uekötter seinen ehemaligen Kollegen und befreundeten Mediziner Dr. Zeecam Hoovey als Oberarzt ans Clemenshospital. Der Kinderneurologe sollte gemeinsam mit ihm die Abteilung für Neuropädiatrie aufbauen. Vielen Kindern konnten die beiden durch fachliche Kompetenz, menschliche Wärme und durch die Kooperation mit Selbsthilfegruppen, niedergelassenen Ärzten und natürlich den Eltern nach einer schweren Hirnverletzung den Weg zurück in den Alltag bereiten.
So wie die beiden gemeinsam gekommen sind, sind sie nun auch am Freitag gemeinsam gegangen: Auch Hoovey verabschiedete sich in den wohl verdienten Ruhestand. "Ich finde es für so eine so komplexe Klinik wie unsere sehr wichtig, dass meine Nachfolger sich ihre eigenen vertrauten Oberärzte mitbringen. Daher gehe ich schon jetzt - etwas verfrüht - gemeinsam mit Dr. Hoovey", so Uekötter.
Im Laufe der Jahre hat der Chefarzt ebenfalls eine Mukoviszidose-Ambulanz aufgebaut, die so erfolgreich wurde, dass er 1993 mit Oberarzt Dr. Peter Küster eine Kraft mit ins Boot holte, an die er die verantwortungsvolle Leitung der Ambulanz übergeben konnte.
Zwei Jahre zuvor wurde Uekötter zum Ärztlichen Direktor des Clemenshospitals ernannt. Diese Position behielt er zehn Jahre lang inne und hat in der Amtszeit alle großen baulichen Veränderungen des Krankenhauses mitinitiiert sowie die EDV-Abteilung ins Leben gerufen. "Das war harte Arbeit, eigentlich wie ein Zweitjob. Ich war gewiss kein Frühstücksdirektor", schmunzelt er.
Ein wissenschaftlicher Höhepunkt war für ihn der 1997 organisierte Kongress der deutschen Gesellschaft für pädiatrische Pneumologie. Auch an die Tagung mit Christiane Herzog erinnert er sich gerne.
Die Versorgung von benachteiligten Kindern hat ihm seit jeher am Herzen gelegen. Daher hat er sich als Initiator und Vorsitzender der Kinderschutzambulanz genauso engagiert wie im Beirat von Herzenswünsche e. V. "Die Kinder waren mein Leben. Ich bin heute weder müde noch verärgert, ich habe meinen Enthusiasmus nicht verloren und würde jeden Tag gerne wiederholen", sagt er dankbar. Der Schlüssel des Erfolgs ist in seinen Augen eine Mischung aus Medizin, Ethik und Liebe. "Mein Team und ich haben alle Patienten stets so behandelt, als wenn es unsere eigenen Kinder wären", sagt er mit einem Lächeln.
Seinen beiden Nachfolgern Dr. Georg Hülskamp und Priv. Doz. Dr. Otfried Martin Debus, die gemeinschaftlich die Chefarzt-Position übernehmen werden, wünscht er alles Gute. "Ich kenne die beiden persönlich und schätze ihre Arbeit sehr", sagt Uekötter.
Nun gönnt er sich erst einmal eine Auszeit: "Ich muss meine Gedanken und Gefühle ordnen und habe mir auferlegt, drei Monate lang gar nichts zu tun." Ob ihm das gelingen wird, bleibt abzuwarten. Schließlich hat er noch viel vor. Die Naturfotografie lockt ihn sehr, doch viel mehr noch will er sich mit dem Verhalten von Mensch und Tier beschäftigen. "Ich möchte in den Bereich der Neurobiologie eintauchen und mir Gedanken darüber machen, was eigentlich gut ist für unsere Kinder", sagt er.
Dr. Hoovey hingegen möchte sich gemeinsam mit seiner Frau ganz seinen Hobbys hingeben: Tennis, Radfahren und Fotografie stehen auf seiner Liste. "Auf die Medizin werde ich aber auch nicht ganz verzichten können. Vielleicht werde ich eine Zeit lang in die Entwicklungsländer gehen und dort Gutes tun."
Gerhard Tschorn, Geschäftsführer des Clemenshospitals, wünschte den beiden jedenfalls im Namen aller Mitarbeiter Glück, Erfolg und Erfüllung, bei allem, was sie auch tun mögen.



