Den Abschied leichter machen und mit einem Tabuthema brechen
28. März 2007

Vor einigen Jahren hatte der Pathologe Prof. Dr. Christian Witting ein Schlüsselerlebnis. Eine Frau, die einige Monate zuvor ihr Kind tot zur Welt gebracht hatte, wollte von ihm wissen, wo ihr Baby eigentlich damals hingebracht worden sei. Es fiel ihm unglaublich schwer ihr und all den anderen fragenden, trauernden Müttern und Vätern erklären zu müssen, dass totgeborene Kinder unter 500 Gramm nicht beerdigt werden müssen. Also entschied er sich zusammen mit der Seelsorge-Abteilung des Clemenshospitals, ab sofort alle diese Kinder, egal wie groß oder schwer, im Rahmen einer feierlichen Zeremonie beerdigen zu lassen und den Eltern somit die Möglichkeit zu geben, sich von ihrem Kind verabschieden und jederzeit einen Ort aufsuchen zu können, an dem sie ihm nahe sein können.
"Wir feiern einen richtigen kleinen Gottesdienst", erzählt die katholische Seelsorgerin Maria Heine. Anfangs war sie skeptisch, ob überhaupt jemand zu der Feier kommen würde. Umso größer war dann die Freude, als beim ersten Termin fünf Frauen mit ihren Partnern und teilweise sogar mit den Kindern und Großeltern auf den Friedhof in Mecklenbeck kamen, um von den Angehörigen, die nie aktiv am Familienleben teilhaben durften, Abschied zu nehmen. Ein Holzkreuz mit der Aufschrift "Der Himmel geht über allen auf" steht hier stellvertretend für alle Schicksale. Das Grab hat die Gemeinde St. Anna dem Clemenshospital zur Verfügung gestellt.
Zweimal im Jahr laden die Seelsorge und das Institut für Pathologie am Clemenshospital Frauen, die im Clemenshospital ein Kind verloren haben, zu der Verabschiedungszeremonie ein. "Wir wollen auf diesem Wege auch mit einem Tabuthema brechen. Denn für die Frauen ist es unglaublich wichtig, dass sie das Erlebte nicht totschweigen müssen, sondern offen ihre Trauer, Ängste und Sorgen zeigen dürfen", sagt Heine. "Und viele Frauen sind erst nach etwa einem halben Jahr in der Lage, Genaueres über den Verbleib ihres Kindes zu erfahren", ergänzt Prof. Witting. "Dann können wir sagen: Ihr Baby wurde auf dem Friedhof beerdigt -- Sie können es dort jederzeit besuchen gehen."

Fragen zu dem Thema beantwortet die katholische Seelsorgerin Maria Heine, Telefon 0251.976-5855; seelsorge@clemenshospital.de

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