Sterblichkeit senken durch frühzeitiges Handeln
60.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich an der Sepsis (Blutvergiftung). Die Krankheit, bei der sich eine Entzündung unkontrolliert über den ganzen Körper ausbreitet, ist somit die dritthäufigste Todesursache in Deutschland – und dennoch ist das Bewusstsein für sie äußerst gering. Im Clemenshospital ist das anders: Pflegende und Ärzte haben beide die Wichtigkeit erkannt und gemeinsam ein Konzept erstellt, um die Sepsis-Leitlinie der Deutschen Sepsis-Gesellschaft im Arbeitsalltag umzusetzen. Damit ist das Haus Vorreiter in Münster. Den Auftakt zur Einführung der Sepsis-Leitlinie machte am Donnerstag, 6. November, eine Fortbildung für alle ärztlichen und pflegerischen Mitarbeiter des Hauses. Als Referent war Prof. Dr. med. Frank Martin Brunkhorst vom Universitätsklinikum Jena zu Gast, der für seine Verdienste auf dem Gebiet der Sepsis-Erforschung mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.

Zusammenarbeit von Ärzten und Pflegenden

Auslöser für die Umsetzung im Haus war der Einsatz von Ulrike Krämer. Die Fachkrankenschwester auf der Intensivstation hatte sich intensiv mit dem Thema Sepsis auseinandergesetzt und sich dann mit ihren Ideen an Prof. Dr. Ralf Scherer, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, gewandt. „Ich hatte selbst schon länger über Umsetzungsmöglichkeiten nachgedacht und war daher sofort von Ulrike Krämers Initiative beigeistert. Wenn sowohl Pflegende als auch Ärzte die Notwendigkeit zum Handeln erkennen, dann ist das die günstigste Konstellation, um wirklich etwas erreichen zu können“, sagt Scherer.

Im Mai 2088 wurde dann ein Qualitätsteam aus Pflegenden und Ärzten gegründet, das Möglichkeiten zur Umsetzung erarbeitet hat. Entstanden sind unter anderem Verfahrensanweisungen, Hilfsdokumente sowie Alarm- und Therapiebögen. Hauptziel ist, die Sepsis so früh zu erkennen, dass eine Verlegung auf die Intensivstation vermieden werden kann. „Je später man reagiert, desto schlechter ist der Verlauf. Es geht dabei um Stunden“, beschreibt Ulrike Krämer und unterstreicht so die Notwendigkeit eines raschen systematisierten Vorgehens. Der Verlauf der Sepsis ist oft dramatisch: Ohne rasche und adäquate Therapie schon in den ersten Stunden nach Erkennen der Frühsymptome wird eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig. Es kommt zu Organversagen. Der Patient muss künstlich beatmet werden. Oft sind eine Dialyse sowie der Einsatz von hoch dosierten kreislaufunterstützenden Medikamenten notwendig. 54 Prozent der Betroffenen sterben – und das eben auch, weil nicht früh genug gehandelt wird. Daher lautet der entscheidende Satz: Früh erkennen und effektiv handeln! Dafür hat Ulrike Krämer zusammen mit dem Projektteam ein Poster erstellt, das in allen Pflegediensträumen hängt und die wichtigsten Handlungsschritte aufzeigt.

Auftaktveranstaltung mit Sepsis-Experten

Die Auftaktveranstaltung mit dem Sepsis-Experten Brunkhorst am 6. November soll erstmals alle Mitarbeiter für das Thema sensibilisieren. Als Sekretär der Deutschen Sepsis-Gesellschaft e. V. und Koordinator des Kompetenznetzwerkes Sepsis ist er regelmäßig unterwegs, um Aufklärung durch Öffentlichkeitsarbeit zu leisten sowie Fort- und Weiterbildungen anzubieten. Scherer: „Wir sind sehr froh und dankbar, dass wir so einen Experten für unsere Veranstaltung gewinnen konnten und sind uns sicher, dass durch seine Beteiligung das ganze Projekt noch mehr Bedeutung bekommt.“


 

 

 

 

 

 

 

 

 


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