Wer behandelt mich?

Neurologische Erkrankungen erfordern wegen ihrer Komplexität die enge Zusammenarbeit vieler medizinischer, pflegerischer und therapeutischer Experten, um dem Patienten bestmöglich helfen zu können. Hier stellen wir Ihnen das pflegerische und therapeutische Team vor.

Das ergotherapeutische Ziel in der Frühphase besteht vor allem im Wiedererlangen der größtmöglichen Selbständigkeit bezüglich der Selbstversorgung und der Fortbewegung.

Bei den zunächst meist immobilen und bewusstseinsbeeinträchtigen Patienten werden Maßnahmen zur Förderung der Körpereigenwahrnehmung (nach Affolter, Basale Stimulation, Snoezelen) durchgeführt. Durch das therapeutische Führen von Handlungssequenzen wird darüber hinaus das Verständnis für  Alltagssituationen und die Interaktion mit der Umwelt angebahnt.

In Kooperation mit der Logopädie werden Patienten mit Schluckstörungen (nach F.O.T.T.) behandelt. Neben dem Erarbeiten einer möglichst optimalen Haltung und Positionierung als Voraussetzung für regelrechtes Schlucken, bestehen die Ziele im Verbessern der Schluckleistungen, ggf. im Entwöhnen von der Trachealkanüle und nach Möglichkeit im individuellen Kostaufbau.  

Ein weiterer Schwerpunkt besteht in der frühen Vertikalisierung in den Sitz, Stand und Gang zur Förderung der Wachheit und zur Steigerung der physischen Belastbarkeit. Hierbei sind in der Regel zwei Therapeuten erforderlich. Weitere sensomotorische Ziele liegen in der Anbahnung bzw. Verbesserung von Grob-/Feinmotorik und der Sensibilität, außerdem werden das Gleichgewicht und die Bewegungskoordination gefördert (nach Bobath und Perfetti).

Die wiedererworbenen motorischen und kognitiven Fähigkeiten werden dann in  einem individuellen Anzieh-, Wasch- und  Esstraining in den Alltag integriert. Die Patienten haben darüber hinaus die Möglichkeit, ihre Handlungskompetenz im Rahmen von hauswirtschaftlichen Tätigkeiten (Kochen, Backen), handwerklichen Arbeiten (Peddigrohr) und funktionellen Spielen weiter zu verbessern.

Das selbständige Handeln kann durch den Einsatz  von Hilfsmitteln (z. B. Rollstuhl, Rollator Einhänderhilfsmittel etc.) unterstützt werden.

Aufgaben der Logopädie sind die Befundung und Behandlung neurogener Kommunikationsstörungen (Sprach-, Sprech-, Stimmstörungen) und Schluckstörungen. Gesichtslähmungen, durch die Sprech- und Schluckqualität maßgeblich beeinträchtigt sein können, werden ebenfalls logopädisch behandelt.

Ausgangspunkt ist eine umfassende Diagnostik des in der frühen Remissionsphase vielschichtigen Störungsbildes zur Festsetzung individueller Therapieschwerpunkte.

I. Übergeordnete Behandlungsziele

Erreichen bestmöglicher

  • alltagspragmatischer Kommunikationsfähigkeit
  • Schluckleistungen zur Entwöhnung von der Trachealkanüle u. / o. zur Ermöglichung (weitgehend) uneingeschränkten Essens und Trinkens

II. Behandlungsmaßnahmen in der Frührehabilitation

 

1. Sprachtherapie

Spezifische Formen sprachlicher Aktivierung bei Patienten mit

  • Bewusstseins- und Wahrnehmungsbeeinträchtigungen
  • Aphasie
  • Kognitiver Dysphasie

 

2. Sprech- und Stimmtherapie

  • spezifisches Wahrnehmungs- und Funktionstraining bei Patienten mit Dysarthrie, Gesichtslähmungen, Dysphonie (Stimmstörung) zur Verbesserung sprechmotorischer Funktionen
  • Anbahnung und Unterstützung der Initiierung und des willkürlichen Abrufs von Sprechbewegungen bzw. der Sprechbewegungskontrolle bei Patienten mit Sprechapraxie

Bei schweren Kommunikationsstörungen werden Kompensationsstrategien und alternative Kommunikationswege geprüft und ggf. angebahnt.

 

3. Schlucktherapie

  • Funktionstherapie zur Wiederherstellung der Schluckleistungen; ggf. Training kompensatorischen Schluckverhaltens u./o. Versorgung mit Hilfsmitteln zur Erleichterung der Nahrungs- / Flüssigkeitsaufnahme
  • Empfehlung und Begleitung von bronchoskopischer/ radiologischer Diagnostik, Trachealkanülenwechseln und Dekanülierungen
  • Festsetzen des der jeweiligen Schluckstörung angemessenen Diätplans

Einbezug der Angehörigen in den Prozess des Kostaufbaus.

Musik bietet Raum sowohl für seelisches und körperliches Erleben als auch für kognitives Erfassen.

  • Musik kann Menschen in ihrer emotionalen Befindlichkeit begleiten und stützen, kann Ausdruck geben und trösten.
  • Musik kann auf direktem Wege körperlich spürbar werden. Sie kann aufrütteln und zu körperlicher Bewegung anregen oder auch helfen, zu Beruhigung und Entspannung zu finden.
  • Musik kann Anreiz sein, seine Aufmerksamkeit zu richten, sich zu konzentrieren, Strukturen zu verfolgen, wiederzuerkennen, Zusammenhänge zu finden.

 

Die Musiktherapie hat in der Frührehabilitation einen doppelten Auftrag:

Zum einen unterstützt sie die Verbesserung einzelner Funktionen (wie Aufmerksamkeit, Konzentration, Gedächtnis, Antrieb, Bewegung, Sprache), zum anderen bietet das gemeinsame Musizieren und auch Musikhören eine Ebene des emotionalen Kontakts, durch den unsere Patienten eine wertvolle psychische Begleitung und Unterstützung erfahren.

 

Schwerpunkte der Musiktherapie:

  • Kontaktanbahnung für Menschen im komatösen und postkomatösen Zustand
  • Basaler Aufbau von Kommunikation auf non- und präverbaler Ebene für Patienten, denen die sprachliche Ebene (noch) nicht zur Verfügung steht.
  • Förderung von Eigenwahrnehmung und Selbststrukturierung
  • Förderung von Motivation, Interaktion und intentionalem Handeln
  • Emotionale Stabilisierung und Aspekte der Krankheitsverarbeitung

 

Musiktherapeutische Methoden:

  • Rezeptive Verfahren: Instrumentalspiel und Singen im Atemrhythmus
  • Geführtes Instrumentalspiel
  • Arbeit mit schon Bekanntem, z.B. früher gern gehörten Stücken und Liedern
  • Übende Verfahren mit Rhythmus und Stimme
  • Gemeinsames Improvisieren von Patient und Therapeut

Die klinische Neuropsychologie als wissenschaftliche Disziplin beschäftigt sich mit der Diagnostik und Therapie von Störungen der Kognition, des emotionalen Erlebens und des Verhaltens nach Gehirnverletzungen. Art und Ausmaß der neuropsychologischen Interventionen in der Frührehabilitation sind abhängig von der Bewusstseinslage, der neurologischen Funktionsstörungen, kognitiver Basisleistungen und der Belastbarkeit der Patienten.

I Neuropsychologische Diagnostik

Aufgaben im Verlauf

  • Beurteilung der Bewusstseins- und Wahrnehmungslage
  • Beurteilung der Kontakt-, Interaktionsfähigkeit und Möglichkeiten der Kommunikation
  • Beurteilung kognitiver Leistungen
  • Beurteilung des emotionalen Befindens, des Verhaltens und der Krankheitsbewältigung 
  • Beurteilung alltagsrelevanter Fähigkeiten

Unser Konzept der frühen neuropsychologischen Diagnostik basiert auf der Syndromanalyse nach Luria und einem prozessorientierten psychometrischen sowie computergestützten Vorgehen

  • zur unterstützenden Beurteilung der Möglichkeiten der Reorganisation von Gehirnfunktionen
  • zur Beurteilung wieder gewonnener und / oder erhaltenen Funktionen
  • zur Ermittlung eines holistischen an den Bedürfnissen des Patienten ausgerichteten Rehabilitationsprogramms

II Neuropsychologische Therapie

Aufgaben im Verlauf

  • Verbesserung von Interaktions- und Kommunikationspotentialen
  • Frühe sprachliche Aktivierung
  • Förderung von Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Lernen
  • Förderung der zeitlichen, situativen und autobiographischen Orientierung
  • an die Gehirnschädigung angepasste psychotherapeutische Interventionen

III Angehörigenarbeit

Die Beratung und Unterstützung der Angehörigen erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Ärzteteam und dem Sozialdienst

Aufgaben

  • Edukation im Umgang mit neuropsychologischen Störungen
  • Psychologische (Familien)Beratung
  • Krisenintervention
  • Kurzzeitpsychotherapie
  • Erarbeitung einer psychosozialen Perspektive

Im Mittelpunkt unseres pflegerischen Handelns stehen die uns anvertrauten Menschen in ihrer gesamten Vielschichtigkeit. Wir beachten, respektieren und unterstützen die individuelle Persönlichkeit der einzelnen Patienten. Neben ihrer Erkrankung wird die soziale, kulturelle und religiöse Identität in die Pflege einbezogen.

Die Betreuung der Patienten wird durch eine Vielzahl unterschiedlicher Berufsgruppen gesichert. Aufgrund ihres engen, fortlaufenden Kontaktes zu den Patienten und ihren Angehörigen, sowie der dadurch gewonnenen Informationen, stellen die Pflegenden einen elementaren Teil des Behandlungsteams dar.

Wir betreuen die Patienten nach den neuesten pflegerischen und medizinischen Erkenntnissen und Methoden in der Organisationsform der Bezugspflege. Die Bezugspflege verstehen wir als Beziehung von Mensch zu Mensch.

Um der Individualität der Patienten gerecht zu werden, konzentrieren sich die Pflegenden auf die Erfassung der Bedürfnisse der Patienten und deren Angehörigen. Darüber hinaus ist die Einbeziehung des sozialen Umfeldes des Patienten ein wesentlicher Bestandteil der professionellen Pflege.

Die Pflegenden planen die notwendigen Pflegemaßnahmen mit dem Ziel einer ganzheitlichen Patientenbetreuung und der Erhaltung und Förderung der Selbständigkeit des Patienten.

Im Sinne einer aktivierenden und rehabilitierenden Pflege erhalten die Patienten Unterstützung und Hilfe bei allen Lebensaktivitäten (Nancy Roper) bzw. Aktivitäten des täglichen Lebens (Liliane Juchli), die professionell dokumentiert und evaluiert werden. Wir integrieren moderne Pflegekonzepte wie die Basale Stimulation und Kinästhetik in unsere Arbeit.

Was unterscheidet unsere Pflege von der auf anderen Stationen?

Neben den intensivpflegerischen Maßnahmen und der allgemeinen und speziellen Pflege, besteht der wesentliche Teil unserer Arbeit in der aktivierenden Pflege.

Das bedeutet, dass wir unseren Patienten bei allen unseren Tätigkeiten ein an ihre Bedürfnisse und Fähigkeiten angepasstes Maß an Sinnesreizen anbieten. Solche Sinnesreize können Bewegungen, das aufrechte Sitzen, Berührungen, das Gefühl von vertrauter Kleidung auf der Haut, Gerüche, Bilder, der Kontakt zu Angehörigen und vieles mehr sein.

Über diese Stimulation, die immer auch in Verbindung mit dem Einüben ganz alltäglicher Verrichtungen (z. B. Bewegung, Körperpflege, Essen und Trinken) geschieht, werden die Rückbildung von Defiziten und/oder die Wiederherstellung von Fähigkeiten erreicht.

Dabei ist die Zielsetzung unseres pflegerischen Handelns immer in ein globales Gesamtkonzept eingebettet, das für jeden Patienten individuell durch alle beteiligten Berufsgruppen (Ärzte, Pflegende, Therapeuten) erarbeitet wird.

Die Physikalische Therapie begleitet die Patienten durch die verschiedensten Phasen der Spontanremission, um das Rehapotential zu nutzen und weiter zu fördern. In der frühen Phase steht die Förderung der Körperwahrnehmung, die Tonusregulation sowie das Wecken spezifischer und unspezifischer Reaktionen im Vordergrund. Später werden gezielt individuelle Bereiche der Muskulatur mit verschiedensten (Massage-)Techniken gelockert, Bewegungseinschränkungen in Gelenken behandelt und Alltagskompetenz im med. Vollbad erarbeitet und gefördert.

Hervorzuheben ist die Therapie im Bewegungsbad. Hier kann ab der frühen Remissionsphase auf die Ziele der Physikalischen Therapie eingegangen werden. Zusätzlich wird die Arbeit der Physiotherapie in Bezug auf die Behandlung sensomotorischer Probleme (wie z.B. Koordination- und Gleichgewichtsstörungen) unterstützt. Durch spielerische Übungen wird eine nicht ganz alltägliche Situation mit schnellen Erfolgserlebnissen geschaffen.

Leistungsspektrum

  • klassische Massage
  • Funktionsmassage
  • Colonmassage
  • Bindegewebsmassage
  • Therapie nach Dr. Marnitz
  • Manuelle Lymphdrainage und Ödemtherapie
  • Hydrotherapie: med. Vollbad, Stangerbad und Bewegungsbad
  • Cranio- Sakral-Therapie
  • Reflexzonentherapie am Fuß
  • Kinesiotaping

Die Physiotherapie beschäftigt sich mit den sensomotorischen Körperfunktionen und den Fähigkeit sich zu Halten und zu Bewegen. Neurophysiologisch begründete Behandlungskonzepte kommen zum Einsatz und werden mit anderen physiotherapeutischen Techniken, wie z.B. der Manuellen Therapie, kombiniert. Es werden die klassisch erprobte Konzepte (Bobath-Therapie) genauso wie Konzepte aus neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen ( Impairment-orientiertes Üben) angewandt.

In der ganz frühen Behandlungsphase von Patienten mit ausgeprägten Bewusstseins- und Wahrnehmungsbeeinträchtigungen stehen

  • die Förderung der Körper- und Umweltwahrnehmung,
  • die Vermeidung von Sekundärkomplikationen wie Pneumonie und Dekubitus und Kontrakturen,
  • das Anbahnen von Kopf- und Körperhaltereaktionen (Haltungshintergrund) und
  • das Auslösen motorischer Reaktionen im Vordergrund.

Die Mobilisation in die Vertikale, also in den Sitz und Stand, ist gerade in dieser Phase sehr wichtig. Um dies zu gewährleisten werden die Patienten von uns in der Regel mit zwei Therapeuten behandelt.

In der Behandlung von Patienten mit spezifischen sensomotorischen Störungsbildern, wie Tetra- und Hemiparesen, Spastiken, Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen wird störungsorientiert an diesen Problemen gearbeitet. Die Übungen erfolgen in einem alltagsnahen Kontext und werden zielgerichtet und wiederholend durchgeführt. Hier stehen

  • Tonusregulation,
  • Muskel- und Bewegungsaktivierung,
  • Umsetzung von Bewegung in Aktivität,
  • Bewegungskoordination,
  • Gleichgewichtstraining und
  • Gangschule

im Mittelpunkt der Behandlung.

Nach Hirnverletzungen treten häufig spastische Erhöhungen des Muskeltonus auf. Bei der Behandlung lokaler Spastiken haben wir die Möglichkeit der Behandlung mit Botulinumtoxin und Redressionsgipsen. Bei der generalisierten, schweren Spastiken kann die Implantation einer Baclofenpumpe erfolgen.

Zur Bewegungsanbahnung kommt die repetitiven peripheren Magnetstimulation bei uns zur Anwendung.


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