Mit der roten Nase gegen den Frust

03.07.19, Zentralschule für Gesundheitsberufe St. Hildegard

Nur wenige Professionen stellen derart hohe Anforderungen an die Fähigkeit zur Stressbewältigung und die psychische Widerstandskraft wie die Pflegeberufe. Rund 20 Prozent der jüngeren Pflegekräfte denken darüber nach, den Beruf zu wechseln. Die Auseinandersetzung mit den Themen Tod und Sterben, Leid und Trauer aber auch die Konfrontation mit aggressiven und unfreundlichen Patienten führen dazu, dass viele Pflegende ihrem Beruf lieber heute als morgen den Rücken zudrehen würden. In einer Kooperation zwischen der Ruhr Universität Bochum, den Alexianern und der Stiftung „Humor hilft Heilen“ von Dr. Eckart von Hirschhausen werden aktuell Unterrichtskonzepte erprobt, die den jungen Pflegeschülern Konzepte zum Stressmanagement und zur Anhebung der Arbeitsmotivation vermitteln sollen.

„Gerade weil es sich bei den Pflegeberufen um Berufe mit Menschen handelt, kann man nicht immer mit der Stechuhr im Blick sagen, ich gehe jetzt. Da ist das Burnout ja quasi eingebaut“, skizziert Hirschhausen eines der zentralen Probleme. Dass es nicht darum geht, sich beim größten Stress auf der Station die rote Nase aufzusetzen und alles wird gut, ist den drei Kooperationspartnern wichtig. Vielmehr ist das Ziel des Humor-Trainings, die Selbstsicherheit und die Fähigkeit zur Abgrenzung zu stärken. Die hohe Arbeitsbelastung führt oft zur schlechten Stimmung im Team, was wiederum die Mitarbeiter mental belastet, eine Abwärtsspirale, an deren Ende nicht selten der Ausstieg aus dem Pflegeberuf steht. „Wenn die Stimmung am Arbeitsplatz schlecht ist, kann Humor sehr viel auffangen“, ist sich der Leiter des Referats Pflege- und Prozessmanagement der Alexianer, Gerrit Krause, sicher.

Aktuell befinden sich die ersten Humor-Module in der Ausbildung an der münsterischen Zentralschule für Pflegeberufe St. Hildegard im Praxistest. Geschulte Trainer der Stiftung „Humor hilft Heilen“, oft mit Schauspielerfahrung, übernehmen die Unterrichtseinheiten. "Wir haben lange darüber nachgedacht, wie wir die Module integrieren können und haben auch selber an den Trainingseinheiten teilgenommen", berichtet der stellvertretende Schulleiter der Zentralschule, Peter Ahaus. Die Rückmeldung durch die Auszubildenden ist begeistert. Um belastbare Vergleichsdaten für die Studie zu gewinnen, werden die Ergebnisse der münsterischen Zentralschule für Gesundheitsberufe mit denen anderer Ausbildungsstätten verglichen, an denen keine Humor-Module zum Einsatz kommen. „Hier wird echte Pionierarbeit geleistet!“, sind sich die Kooperationspartner einig.