Gut- und bösartig

Tumoren werden unterschieden in gut- und bösartig. Grundsätzliche Unterschiede sind ein relativ langsames Wachstum und keine Absiedlung von Metastasen bei gutartigen und ein schnelles, in das umliegende Gewebe hineinreichende Wachstum sowie das Bilden von Metastasen bei bösartigen Tumoren. Bösartige Tumoren werden meist als Krebs bezeichnet.

In unserer Klinik werden alle Formen kranialer und spinaler Tumoren behandelt. Dafür steht uns ein modernes Instrumentarium zur Verfügung, welches ein Zeiss Pentero Mikroskop, die Verwendung von 5-Aminolävulinsäure (5-ALA) bei Glioblastomen, ein Navigationssystem sowie einen Mikrodoppler für Tumoren im Bereich der Schädelbasis einschließt. Alle Tumoren im Bereich des Hirnstamms sowie alle intraduralen (intramedullären und juxtamedullären) Tumoren werden zudem intraoperativ mit einem neurophysiologischen Monitoring überwacht.

Für Tumoren im Bereich der Schädelbasis/Orbita sei auf die entsprechende Seite verwiesen.

Nachfolgend fassen wir wissenswerte Fakten zu speziellen häufigen Krankheitsbildern und deren Behandlung in unserem Haus zusammen.

Wir kooperieren mit dem Institut für Neuropathologie am UKM, Prof. Dr. med. W. Paulus.

Glioblastome sind bösartige, vom Gehirn selbst ausgehende Tumoren. Sie machen etwa 12 – 15 Prozent aller Hirntumoren aus. Die Tumoren können grundsätzlich in allen Teilen des Zentralnervensystems auftreten, am häufigsten ist jedoch das Großhirn betroffen. Da diese Tumoren eine hohe Proliferationsrate (WHO Grad IV) aufweisen, entwickeln sich klinische Symptome, derentwegen der Patient einen Arzt aufsucht, meist innerhalb kurzer Zeit. Bei den Symptomen unterscheidet man zwischen Nahsymptomen durch Schädigung benachbarter Funktionssysteme (z. B. Aphasie = Störung der Sprache, Hemiparese = halbseitige Lähmung) und Fernsymptomen (z. B. Hydrocephalus = Aufstau des Hirnwassers durch Verlegung der Abflußwege), häufig sind auch epileptische Anfälle ein erstes Symptom, welches auf die Erkrankung hinweist.

Die Therapie der Wahl ist zunächst in der Regel der Fälle die möglichst vollständige Entfernung der Geschwulst durch eine mikrochirurgische Operation. Diese kann heute durch die Verwendung von 5-ALA erleichtert werden. Wegen des diffusen Wachstums des Tumors ist aber „Vollständigkeit“ nicht gleichbedeutend mit „Radikalität“, so dass immer eine zusätzliche Behandlung mittels Strahlentherapie und meist auch einer Chemotherapie erfolgen muss. Als Entscheidungsgrundlage hierfür stehen den Neuropathologen heute differenzierte molekularbiologische Methoden zu Verfügung.

Bei kleineren und vor allem tief gelegenen Tumoren kann aber auch eine primäre Bestrahlung nach vorher gehender, gezielter (stereotaktischer) Entnahme einer Gewebeprobe für die histologische Untersuchung die Behandlung der Wahl darstellen.

In jedem Fall wird selbstverständlich beachtet, vor allem dem Patienten ein hohes Maß an Lebensqualität während und nach der Behandlung zu erhalten, so dass wir bei unseren Entscheidungen über das therapeutische Konzept im Rahmen unserer Neuro-Onkologischen Konferenz neben dem Allgemeinzustand und dem neurologischen Befund auch die psychologische Situation des Patienten sowie sein soziales Umfeld beachten.

Neben der mikrochirurgischen Resektion des Tumors werden auch die Bestrahlung sowie die Chemotherapie im Clemenshospital durchgeführt.

Die Chemotherapie erfolgt durch Dr. med. G. Dresemann, Arzt für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie, dessen ambulante Sprechstunde an jedem Mittwoch von 13.00 – 15.00 in der Ambulanz der Klinik für Neurochirurgie stattfindet, ebenso ist dieser verantwortlich für die Durchführung der Chemotherapie in stationärem Rahmen.

Meningeome sind in der Regel gutartige, von der Hirnhaut ausgehende Tumoren. Sie machen intrakraniell (im Schädelinneren) etwa 20 Prozent der Geschwülste aus, bei den spinalen intraduralen, juxtamedullären Tumoren (innerhalb der Rückenmarkshaut, neben dem Rückenmark selbst) ca. 40 Prozent. Diese sind zumeist gutartig (WHO Grad I), können wegen ihrer Lokalisation, Größe oder Beziehung zu benachbarten anatomischen Strukturen, vor allem im Bereich der Schädelbasis, aber chirurgisch sehr anspruchsvoll sein. Wegen des langsamen Wachstums können Meningeome oft für lange Zeit unbemerkt bleiben, deshalb werden diese nicht selten „durch Zufall“ entdeckt.

Ziel einer Operation ist zumeist die vollständige Entfernung des Tumors, wobei nicht immer Radikalität herbeigeführt werden kann. Häufig ist ein Ersetzen der harten Hirnhaut (Duraplastik) erforderlich, bei Durchwachsen von Teilen des Schädelknoches auch ein Ersetzen der vom Tumor zerstörten Anteile  (Kranioplastik). Eine solche Kranioplastik kann bei kleineren Defekten mit einem Knochenersatzmaterial während der OP geformt werden, bei größeren und vor allem geometrisch komplexen Defekten verwenden wir heute mittels CAD/CAMTechnik (Computer Aided Design/Computer Aided Manufactoring) vorgeformte Implantate, die eine kosmetisch und funktionell perfekte Rekonstruktion ermöglichen.

Ob eine OP angezeigt ist, hängt neben Alter und Allgemeinzustand auch von der Größe und Lage des Tumors ab, vor allem aber auch vom Vorhandensein oder Fehlen klinischer Symptome. Insofern kann in Einzelfällen auch Abwarten (Wait and Scan) bei regelmäßigen Schichtbildkontrollen (in der Regel der Fälle mittels MRT) sinnvoll sein.

Metastasen sind Absiedlungen von bösartigen Tumoren, die primär außerhalb des Zentralen Nervensystems (ZNS) entstehen. Metastasen im Bereich des ZNS können im Verlauf der Erkrankung bei einer Vielzahl bösartiger Tumoren auftreten. Häufige Entitäten stellen das Bronchialkarzinom, das Mammakarzinom oder auch das maligne Melanom dar. Diese finden sich einzeln oder auch in der Mehrzahl im Bereich des Gehirns, Metastasen im Bereich des Rückenmarks sind sehr selten.

Die Behandlung erfolgt immer interdisziplinär und wird in der Neuro-Onkologischen Konferenz diskutiert. Eine Operation mit dem Ziel der Tumorentfernung ist vor allem indiziert bei isolierten Metastasen, die chirurgisch gut zugänglich sind, wenn damit nicht nur eine Verlängerung der Überlebenszeit sondern auch eine Verbesserung der Lebensqualität erreicht wird. Eine OP-Indikation besteht auch bei Metastasen, die Primärmanifestation der malignen Erkrankung sind, bei denen also zuvor noch keine andere Tumorbildung aufgefallen ist. Bei in der Vorgeschichte bekannten mehrfachen malignen Erkrankungen kann eine OP auch sinnvoll sein zur eindeutigen Zuordnung des Befundes zu einer Entität und damit auch der Entscheidung über das nachfolgende onkologische Behandlungskonzept.

Spinale Tumoren sind Tumoren im Bereich des Wirbelkanals. Sie sind bei einer Inzidenz von 1-2 auf 100.000 Einwohner selten. Dennoch finden wir eine Vielzahl verschiedener Entitäten, die betreffs biologischen und klinischen Verhaltens sehr unterschiedlich zu bewerten sind. Allgemein unterscheiden wir

  • Epidurale Tumoren (außerhalb der Rückenmarkshaut), ca. 45 Prozent der Fälle
  • Intradurale, juxtamedulläre Tumoren (innerhalb der Rückenmarkshaut, aber außerhalb des Rückenmarks), ca. 40 Prozent der Fälle
  • Intradurale, intramedulläre Tumoren (innerhalb der Rückenmarkshaut und innerhalb des Rückenmarks selbst), ca. 15 Prozent der Fälle

Das wichtigste Leitsymptom ist der Schmerz, teils beschränkt auf den Rücken, teils auch mit Ausstrahlung. Wegen der Häufigkeit des Symptoms in der heutigen Zeit und der Seltenheit der Erkrankungen, sind späte Diagnosen erst nach dem Auftreten neurologischer Ausfälle bis hin zu einer Querschnittslähmung möglich.

Die Entscheidung über die beste Therapie ist sehr von der Artdiagnose sowie der Ausdehnung abhängig, daher kann es bei der Vielzahl unterschiedlicher Tumoren kein allgemeingültiges Behandlungskonzept geben. So werden juxtamedulläre Meningeome oder Neurinome meist einer Operation bedürfen, auch die intramedullären Ependymome oder Hämangioblastome sind meist bei limitiertem Risiko einer OP zugänglich. Epidurale Metastasen mit Destruktion eines Wirbelkörpers können einer sehr invasiven OP in Form von Tumorentfernung, Wirbelkörperentfernung und -rekonstruktion sowie einer entsprechenden Stabilisierung bedürfen. Auf der anderen Seite kann bei multiplen Metastasen und fehlender neurologischer Symptomatik bei bekanntem Primarius eine Strahlentherapie zu bevorzugen sein.

Bei allen Tumoren können wir heute bei gewissenhafter Indikationsstellung und OP-Technik sowie einer ggf. erforderlichen Rehabilitation gute Ergebnisse erreichen, sowohl bei kurativen als auch bei palliativen Behandlungskonzepten.

In der Regel erholen sich Patienten nach der operativen Entfernung eines Tumors sehr rasch. Liegen vor der Operation bereits neurologische Ausfälle oder Störungen höherer Hirnleistungen vor, die sich nach einer erfolgreichen OP erst langsam bessern, besteht die Möglichkeit der frühzeitigen gezielten rehabilitativen Behandlung in unserem Department ZNS für neurochirurgisch-neurotraumatologische Frührehabilitation. Bei Patienten, die neben der funktionellen Rehabilitation auch einer adjuvanten (ergänzende, unterstützende) Therapie bedürfen, kann diese selbstverständlich parallel während der rehabilitativen Weiterbehandlung in unserem Haus durchgeführt werden, so dass zum Erreichen eines guten OP-Ergebnisses keine Zeit verloren wird. Eine ggf. erforderliche Strahlen- oder Chemotherapie wird zusammen mit unseren Kooperationspartnern durchgeführt.


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