Brustkrebsbehandlung in Zeiten der Pandemie

Ein Mann spricht mit drei Frauen
Dr. Rüdiger Langenberg (l.) ist Leiter des Brustzentrums Münsterland.

, Clemenshospital

Krebserkrankungen sind Schicksalsschläge, die auch während der Pandemie keine Pause machen. Das kann auch der Leiter des Brustzentrums Münsterland, Dr. Rüdiger Langenberg, bestätigen: „Leider haben vor allem im vergangenen Jahr doch einige Frauen den Gang in die Klinik oder zum Frauenarzt aufgeschoben, um sich nicht mit Corona zu infizieren oder die stark ausgelasteten Krankenhäuser nicht noch zusätzlich zu belasten. Dadurch sehen wir leider, dass sich die Krebsstadien etwas nach oben verschoben haben. Statt Tumoren mit 15 oder 18 Millimeter Durchmesser sehen wir häufiger auch Tumoren mit 30 Millimeter Durchmesser.“ Die Sorge vor dem Gang zum Arzt sei allerdings im Zuge der Impfungen fast wieder verschwunden, wie der Chefarzt der Frauenklinik des Clemenshospitals berichtet.

Auch während der Behandlung einer Brustkrebserkrankung muss nicht auf die Corona-Impfung verzichtet werden, bis auf eine Ausnahme, wie der Experte erläutert: „Allgemein macht es auch bei einer Tumorerkrankung auf jeden Fall Sinn, sich impfen zu lassen. Während der Zeit rund um die Operation oder während der Bestrahlungen ist das kein Problem, das würde ich sogar befürworten. Lediglich unter der Chemotherapie nicht, da das Immunsystem durch die Medikamente beeinträchtigt wird. Hier sollten Impftermin und Chemotherapie zeitlich aufeinander abgestimmt werden.“

Eine Brustkrebsbehandlung sollte möglichst frühzeitig durchgeführt werden. Wie sieht das aber aus, wenn die Patientin positiv auf Corona getestet wird? „Auch coronapositive Patientinnen sollten selbstverständlich behandelt werden. Wir haben während der Pandemie sehr viel gelernt, die Abteilung für Krankenhaushygiene hat auf der Grundlage der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts im Clemenshospital sehr gute Hygienekonzepte entwickelt, die professionell umgesetzt werden. So werden sowohl die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch die Patientinnen sehr gut vor einer Infektion geschützt.“

Die Verweildauer nach einer Brustkrebsoperation sei in den zurückliegenden Jahren immer kürzer geworden, wie Dr. Langenberg weiter berichtet. Dies läge in erster Linie an den immer schonender werden Operationsverfahren aber auch daran, dass erfahrungsgemäß die Erholung nach einem operativen Eingriff in der gewohnten, heimischen Umgebung für die Frauen einfacher sei, als im Krankenhaus. „In der Regel gehen Patientinnen nach drei bis sechs Tagen nach Hause, das ist aber natürlich immer vom Einzelfall abhängig und wird immer individuell entschieden“, wie Dr. Rüdiger Langenberg erklärt. Die Arbeit im Brustzentrum Münster ist Teamarbeit: „Wir arbeiten seit Jahren in einem eingespielten Team eng zusammen, so dass wir kurze Wege haben und uns schnell untereinander austauschen können, was für die Patientinnen natürlich große Vorteile bringt. Neben der Gynäkologie arbeiten Strahlentherapie, Onkologie, Physiotherapie, Psychoonkologie und der Sozialdienst im Zentrum Hand in Hand. „Wir bieten sogar Yoga-Kurse für die Patientinnen an, die bei uns im Clemenshospital behandelt werden.“