Mit den Liedern kommt die Erinnerung

Dr. Kira Uphaus (r.) verfolgt gemeinsam mit Patienten des Clemenshospitals den Auftritt der Fünftklässler der Freien Waldorfschule

20.12.18

Mit den vertrauten Weihnachtsliedern kommt die Erinnerungen an die Kindheit zurück, bei „Maria durch ein Dornwald ging“ oder „Macht hoch die Tür“ singen viele der Patienten mit, den Text kennen sie noch von früher. Es ist ein ganz besonderes Konzert, das die Schülerinnen und Schüler der fünften Klasse der Freien Waldorfschule in der Kapelle des Clemenshospitals geben, es wendet sich besonders an Patienten mit einer Demenz. „Durch die Lieder werden Emotionen von früher wach, Erinnerungen an die Kindheit kommen wieder“, erläutert Dr. Kira Uphaus, die als Oberärztin der Klinik für Innere Medizin I Expertin für den Bereich Geriatrie ist, also für die Behandlung älterer Menschen.

Eine Demenz geht häufig mit gedrückter Stimmung einher, erläutert Uphaus, das gemeinsame Singen und die Erinnerungen an die Kindheit hätten hingegen oft zur Folge, dass die Betroffenen förmlich aufblühen und sich die Stimmung bessert, dies würde sich auch positiv auf den Genesungsprozess auswirken. „Beim gemeinsamen Singen profitieren Jung und Alt voneinander“, freut sich die Ärztin über das Engagement der Fünftklässler. „In der Freien Waldorfschule ist die Wissensvermittlung mit künstlerischer Arbeit verknüpft“, erklärt die Klassenlehrerin Elisabeth Finke, „in der Adventszeit steht die Musik im Vordergrund“. Die Schüler nehmen die Stimmung der Zuhörer aufmerksam wahr, wie die Pädagogin berichtet. Viele der Patienten in der Kapelle des Clemenshospitals folgen sehr emotional dem Auftritt der Schüler, manchen sind sogar zu Tränen gerührt.

Der 86-jährige Egon Bansberg hat selber lange Jahre im Chor gesungen: „Wir sind früher oft in Kirchen aufgetreten. Auch zuhause unter dem Weihnachtsbaum wurde immer gesungen. Das hier ist eine wirklich schöne Sache für die Patienten“. Besonders beeindruckt ist Bansberg davon, dass die Kinder alle 14 Stücke auswendig singen können, ohne Notenblatt. Nach dem Auftritt gibt es für jedes Chormitglied ein kleines Knusperhäuschen, das von den Patienten während der Ergotherapie gebastelt wurde. „Jetzt ist für mich wirklich Weihnachten!“, freut sich der evangelische Seelsorger des Clemenshospitals, Pfarrer Arndt Menze, über die festliche Stimmung, die sowohl die Zuhörer als auch die Sänger ergriffen hat.