Katheterbehandlung von Tumoren und Gefäßmalformationen
Gefäßmalformation ist ein Überbegriff, der unterschiedliche Veränderungen an Gefäßen umfasst, z.B. pathologische Gefäßerweiterungen und Fisteln zwischen Venen und Arterien. Im Kopf-/ Halsbereich können diese Malformationen durch Schwellungen auffallen, die selten starke Beschwerden verursachen, aber unter Umständen bei Belastung zunehmen oder im Gesicht ästhetisch stören.
Gefäßmalformationen lassen sich endovaskulär, also durch die Blutgefäße, behandeln, indem ein kleiner Katheter bis kurz vor oder direkt bis in die Malformationen vorgeschoben wird und dann ein gefäßverschließendes Mittel (Mikropartikel, Flüssigklebstoff, Coils) appliziert wird.
Endovaskuläre Behandlungen, also durch die Blutgefäße durchgeführte Behandlungen, sind minimal-invasive Verfahren und haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, da sie oft eine sicherere und weniger invasive Alternative zu offenen chirurgischen Eingriffen darstellen. Sollte ein chirurgischer Eingriff dennoch nötig sein, kann eine vorherige endovaskuläre Behandlung die Blutungsgefahr intraoperativ vermindern. Sie stellt daher je nach Fall sowohl ein alternatives oder auch ein ergänzendes Verfahren zur Operation dar.
Vorteile der endovaskulären Verfahren
- Minimalinvasiv: Die Eingriffe können oft über einen Katheter durchgeführt werden, der durch eine kleine Punktion in der Leiste eingeführt wird.
- Kurze Erholungszeit: Patienten haben in der Regel kürzere Genesungszeiten und weniger postoperative Beschwerden als bei offenen Operationen. Der Krankenhausaufenthalt ist kurz oder der Eingriff erfolgt ambulant.
- Zielgenauigkeit: Die Methode behandelt gezielt die Stelle des Problems und schont das umliegende Gewebe.
Perkutane Sklerosierung von Gefäßmalformationen
Bei der perkutanen Sklerosierung wird ein spezielles Sklerosierungsmittel (ein verödendes Medikament) direkt in die betroffene Gefäßmalformation injiziert. Dies geschieht mithilfe einer feinen Nadel, die unter bildgebender Kontrolle (z. B. Ultraschall oder Röntgen) in die Gefäßmalformation eingeführt wird. Das Medikament bewirkt eine Reizung der Innenwände der Gefäße, was zur Verklumpung und anschließendem Verschluss des Gefäßes führt. In der Folge wird der Blut- oder Lymphfluss durch die Fehlbildung unterbunden, was in der Regel zu einer Rückbildung der Symptome führt.
Die Sklerosierung wird meist ambulant oder während eines kurzen Krankenhausaufenthaltes durchgeführt. Der Eingriff selbst dauert in der Regel zwischen 20 Minuten und einer Stunde, abhängig von der Komplexität des Falles.
Nach der Behandlung kann es zu einer leichten Schwellung, Rötung oder einem Spannungsgefühl kommen. Diese Symptome klingen in der Regel nach einigen Tagen ab. In Abhängigkeit des Ausgangbefundes kann es notwendig sein, mehrere Sklerosierungs-Sitzungen im Abstand von einigen Wochen durchzuführen
Risiken sind selten und umfassen Infektionen, Blutergüsse, Gewebeverletzungen, Nervenreizungen oder eine unvollständige Verödung der Gefäße. Schwere Komplikationen sind extrem selten.
Kooperation mit der Fachklinik Hornheide
PD Dr. Dr. Jan Dirk Raguse
Chefarzt der Abteilung für Mund-, Kiefer, und Gesichtschirurgie, plastische Operationen inkl. Sektion Hals-, Nasen und Ohrenheilkunde
Fachklinik Hornheide
Die Fachklinik Hornheide und die Radiologie im Clemenshospital in Münster sind Kooperationspartner. In einigen Fällen ist es sinnvoll, eine Gefäßfehlbildung oder einen Tumor vor der Operation zu embolisieren, d.h. die Durchblutung zu vermindern oder ganz zu unterbinden. Dies kann in der Radiologie mittels Katheter-Techniken oder mittels direkter Punktion unter Röntgenkontrolle erfolgen. Die anschließende Operation ist oft mit weniger Blutverlust verbunden und damit risikoärmer. In manchen Fällen kann eine Gefäßfehlbildung auch vollständig über einen mikroinvasiven Eingriff über einen Katheter verschlossen werden.